Armut und Abhängigkeit

Vor der Sommerpause noch einen Beitrag zu den Drei Evangelischen Räten (wiki). Über Ehelosigkeit habe ich bereits etwas geschrieben. Deshalb folgt nun ein Beitrag über dem Punkt Armut.

In unserer Kommunität nennen wir es “Schlichtheit” anstatt Armut. Es ist, in Anbetracht der echten Armut in der Welt, der bessere Begriff für das Leben in unserem Rahmen. Wir leben hier grundsätzlich in Gütergemeinschaft. Das bedeutet, dass man seinen Besitz mit in die Gemeinschaft gibt. Hatte man z.B. ein Auto, so gehört es nun allen gleich. Das gleiche gilt für unsrere Arbeitskraft. In anderen Gemeinschaften arbeiten verschiedene oder alle Mitglieder außerhalb des Ordens. Bei uns arbeitet jede/r direkt im Werk. Durch dieses “Sich-ganz-hinein-geben” wird eigentlich erst alles möglich. Nur weil wir ganz hier sind, können wir mit aller Kraft arbeiten. Das geschieht vor allem im Unterricht, Jahresteam, Freizeiten, Tagungen, Seminaren und Gemeindediensten. Und es schließt die gesamte Hausorganisation mit ein (Kochen, Putzen, Elektro, Renovation etc.).

Gleichzeitig führt Armut oder Schlichtheit immer in Abhängigkeit. Die Frage ist nur, an wen man sich hängt. Man kann viel über Gottvertrauen reden oder schreiben; man kann sogar viel darüber predigen. Mit einem “sicheren” Job ist das einfach, weil man sich nicht auf Gott verlassen muss. Wenn man aber sein Geld, seine Kraft, seine Zeit, seine Kreativität, sein Leben dafür einsetzt, dass Jesus’ Sache gepusht wird, hat man diese Rücklagen und Versicherungen nicht. (Vgl. Matthäus 6, 33)

Es ist ein komisches Gefühl, so bewusst von Gott abhängig zu sein. Manchmal verletzt es auch den Stolz: Warum muss das so sein? Warum geht es anderen so gut, die auf Gott nichts geben? (Vgl. Psalm 37 und 73)

Aber wenn man dann merkt, wie Gott tatäschlich Gebet konkret und fassbar erhört, treten Vertrauen und Erfurcht ins Leben. Leider aber auch nicht bleibend ^^ – zumindest nicht bei mir.

Ich stelle fest, dass ich immer wieder den “ersten Schritt” machen muss.

Aber was soll’s lieber von Jesus als von so viele verschiedenen Faktoren abhängig sein (Wirtschaft, Arbeitslage, Politik etc..)

(Und ja, ich kenne auch andere Leute, die nicht in Gemeinschaft aber so nah an Gott leben)

Über den Author:

Br. Manfred ist 26 Jahre alt und - wie der Name sagt - Bruder einer Kommunität. Genauer, der Kommunität Adelshofen. Nach seinem Studium am TSA, studiert er an der Uni Heidelberg gerade Theologie weiter.

Gemeinsames Leben: Kennenlernen vs. Loslassen

Auf die Frage, warum man eine theologische Ausbildung oder Zivildienst bzw. FSJ im Lebenszentrum machen sollte, ist eine Antwort – das gemeinsame Leben.

Das schöne daran ist, dass man in wenigen Jahren, sehr viele Menschen kennenlernt. Darunter sind einige, mit denen man sich richtig gut versteht.

… nur gehen die (meisten) dann auch wieder. Das ist nicht immer leicht. Jetzt sind vor kurzem erst wieder die aktuellen Absolventen ins Berufsleben (zurück-) gestartet. Die Homies vom Zivi und FSJ sehe ich im September auch erst mal nicht wieder.

Das ist echt nicht immer easy. Gerade, wenn man doch mit manchen über die Monate eine gute Beziehung hatte. Zum Glück bleiben manche Kontakte länger frisch (wie z.B. mit einem ehemaligen Zivi aus der Heimat^^) aber eben nicht alle. In einer der letzten Ausgaben von Psychologie heute stand, dass manche sagen, dass ein Mensch in seinem Leben 11 Beziehungen gut pflegen kann und das im Durchschnitt auch tut.

Aber wann man pro Jahr allein in Adelshofen zwischen 20 und 40 neuen Leuten kennen lernt… ist man da schnell drüber. Tja… und loslassen ist nicht immer leicht.

Naja, zum Aufheitern hilft da vielleicht ein Video aus dem Jahre des Herrn 2006 xD

Über den Author:

Br. Manfred ist 26 Jahre alt und - wie der Name sagt - Bruder einer Kommunität. Genauer, der Kommunität Adelshofen. Nach seinem Studium am TSA, studiert er an der Uni Heidelberg gerade Theologie weiter.

Alles hat einmal ein Ende…

Leider? Zum Glück? Schon? Endlich?

Für unser Jahresteam zieht sich das Ende über gute eineinhalb Monate hin:

Schon Ende Juni waren wir auf unserer Abschlussfreizeit in einem schnuggligen Häuschen im Schwarzwald. Es war eine rundum schöne Freizeit und ich glaube, wir haben sie alle genossen! Wir waren viel “wandern” (wenn man es so nennen mag…), was zu einigen sehr guten Gesprächen geführt. Die morgendlichen Bibelgespräche und dann die Bibelarbeiten von Stephan und Sr Hanna über “Gott lieben”, “Menschen lieben” und “Im Staub des Rabbis laufen” haben zu tiefgehenden Gesprächen, Diskussionen und Gedanken geführt. Ein besonderes Highlight war für viele eine Aktion, in der jeder jedem einen Zettel mit Wertschätzungen schreiben sollte und jeder zum Abschluss seinen eigenen Brief erhielt.

Am 29. Juni war offizieller interner Semesterabschluss mit gemeinsamen Programm.

Letzten Donnerstag hatten wir unseren internen Jahresteamabschluss: Sr Hanna führte uns durch das ganze Gelände und stellte zu jedem Arbeitsgebiet einige Fragen, die wir beantworten sollten (am Dienstag gibts die Auflösung…). Zum Schluss schauten wir im DMG noch Bilder vom ganzen Jahr an und bekamen noch ne Gute-Nacht-Geschichte von Shaun the sheep. Unsre Chefs überreichten dann noch jedem ein Abschiedsgeschenk.

Ein tolles Jahr liegt jetzt fast hinter uns – und wir 15 verstreuen uns ab August in die ganze Welt… Schön, dass es das Internet gibt, so bleibt hoffentlich zu jedem Kontakt bestehen!

Über den Author:

Tabea ist 20 Jahre alt und zur Zeit im JahresTEAMs 07/08. Ab Sommer 08 will sie die Ausbildung am Theologischen Seminar machen. Wenn ihr langweilig wird radelt sie gerne, fährt Inliner und spielt Badminton. Sie liebt Überraschungen und ist gerne unterwegs. Ihr Blog: jahresteam.de

Protokoll zu einem kleinen Gedankenaustausch mit Parzany. Die Jugend geht für Jesus ab. Bei den Alten nur noch Asche.

 

Wir hatten heute Parzany bei uns zu Gast. Man kennt ihn von ProChrist. Er sprach über die religiöse Lage in good old germany. Einerseits ein schon seit Jahren zu bemerkendes Neuinteresse an Spiritualität, an Glauben, an Religion. Andererseits jedoch harsche Kritik an solchen Christen, die wirklich mit allem Ernst und steif und Bein behaupten, dass jeder Mensch Jesus braucht. Glaubste nicht, dann bleibste nicht und kommst in die Hölle. Komplexe Sache insgesamt.

Dann gab´s Gelegenheit für Q&A. Ein älterer Herr klagte, dass er in Deutschland einen Rückgang der Christenheit und des geistlichen Lebens bemerkte. Mit den Christen geht es begab. Oh, oh, oh. Vor allem – und da spitzte ich die Ohren – vor allem die Jugend: So abweisend. Baut nur an der eigenen Karriere. Wie schlimm. Will nicht hören. Alle Mühe umsonst. Wollen nicht mehr unter das Wort kommen.

Es ging schon deutlich hörbar ein Raunen durch die Menge. Stimmt das? Was? Wo lebst du denn? Parzany antwortete flink sehr deutlich und ließ den Bruder auflaufen. Seine Beobachtungen sind ganz andere. Wenn wo jemand offen ist für Jesus, wenn wo missionarischer Eifer zu verzeichnen ist, dann bei der Jugend. Die geht ab. Die kehrt sich zu Jesus. Bei den Senioren dagegen, sagte er, findet er nur noch Asche.

Da erhob sich ein älterer Herr, der das wiederum so auch nicht stehen lassen wollte. Bei ihm geht noch was. Mancher alter Hase, manche Häsin pflichtete ihm bei. Nicht alle Alten sind tot. Ein Lachen ging durch die Masse. Und die Sache war wieder in guten Bahnen.

Mir war zum Heulen. Ich musste immer Zerbst denken, wo ich bald ab September sein werde. Hoffentlich – Jesus, schenke das doch bitte – hoffentlich gibt’s da bald eine Bewegung hin zu Jesus. In der Gemeinde, in der Schule und an der Käsetheke.

(Foto von hier.)
LinkTip: Wie man seine Freunde für Jesus gewinnen kann.

Über den Author:

Martin ist 29 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Berlin. Von 2003 - 2007 studierte er am Theologischen Seminar Adelshofen. Seit September 2007 ist er im Lebenszentrum für Kinder –, Teenager – und Jugendarbeit angestellt.Weitere Infos und Kontakt findet man hier. Sein Blog: gottistmituns.blogspot.com