Frau und Lehre

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"Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre..." - Exegetischer Klärungsversuch zu 1. Tim 2,11-12

Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion unter Berücksichtigung des Kontextes von Manfred Baumert, M.A. [1]

Inhaltsverzeichnis

Problemanzeige

Wie die Publikationen der letzten Jahre und Monate zeigen, ist die sog. "Frauenfrage" innerhalb der evangelikalen Bewegung noch nicht geklärt.[2] Zum einen zeigt sich ein ehrliches Ringen um die Gesamtsicht der biblischen Belege. Auf der anderen Seite scheinen sich die Fronten eher noch zu verhärten.[3] Was bleibt, ist die Unsicherheit in Gemeinden und unter Missionarinnen.[4] Theologisch geht es um die Frage, ob eine Frau überhaupt lehren darf. Dabei ist interessant, dass sich ausgerechnet an dieser Fragestellung die Gemüter erhitzen, wo doch längst Frauen Pastorinnen sind, in der äußeren Mission und in Deutschland an theologischen Ausbildungsstätten unterrichten, im religionspädagogischen Bereich Kinder und Jugendliche lehren und als Gemeindepädagoginnen einen wertvollen Dienst tun. Die Spannung bzw. der Widerspruch zeigt sich dort, wo an evangelikalen Ausbildungsstätten Frauen eine theologische Ausbildung erhalten und die vielfältigen Dienste der Frauen in den Gemeinden stillschweigend akzeptiert[5] und in der Missionsarbeit selbstverständlich sind, andererseits aber Predigt- und Lehrdienste in Gemeinden und christlichen Werken teilweise nicht erwünscht scheinen und lehrmäßig der Dienst der Frauen nicht akzeptiert wird.

Eingrenzung

Dass die Geschichte der Auslegung seit der Patristik im Laufe der Kirchengeschichte zu einem teilweise negativen Frauenbild führte,[6] ist bekannt.[7] Die umfangreiche Literatur kann in diesem Rahmen ebenso wenig verfolgt und gewertet[8] werden wie eine Analyse der jüngsten Veröffentlichungen.[9] Weil in den Pastoralbriefen die Irrlehre eine große Rolle spielt und speziell im 1. Tim von Frauen die Rede ist, die falsche Lehren hin und her in den Häusern verbreiten (1. Tim 5,13), wäre eine Exegese von 1. Tim 5 wichtig. Doch auch diese Arbeit wird hier nicht geleistet.[10] Der vorliegende Beitrag widmet sich einzig dem schwierigen Text aus 1. Tim 2,11-12 in seinem Kontext.

Hermeneutische Vorbemerkungen

  1. Zu einer ersten hermeneutischen Voraussetzung gehört die Einsicht, dass es eine voraussetzungslose Exegese nicht gibt.[11] Jeder, der sich mit der Stellung der Frau in der Bibel beschäftigt, müsste sich daher zuerst Rechenschaft geben, welche Vorverständnisse und welches Frauenbild ihn geprägt haben. Die eigene Erziehung, Erfahrung, theologische Ausbildung, der Gemeindehintergrund und das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld sind dabei zu bedenken.
  2. Neben diesen Vorprägungen bedarf es der Wahrnehmung der Auslegungsgeschichte zur Rolle der Frau, weil der Exeget selbst in eben dieser Tradition steht. Erst im Anschluss daran kann die exegetische Arbeit erfolgen, die offen sein sollte für Korrektur.
  3. Ein weiterer Schlüssel der Hermeneutik, der den Zugangsweg zur Textstelle bestimmt, ergibt sich durch die nicht unterstützte Prämisse, dass es sich bei den Pastoralbriefen um pseudonyme Schriften[12] handelt und insbesondere die Unklarheit des Syntax in 1. Tim 2,8-15 (wie schon 1. Kor 14,34f[13]) auf eine spätere Interpolation von Traditionsmaterial schließen ließe.[14]
  4. Für das Verständnis des Textes ist die "umgekehrte Kontextualisierung" von Bedeutung. Es gilt zu fragen, inwieweit sich im Laufe der Kirchengeschichte die Stellung der Lehre und Unterweisung, der Gottesdienst und darin die Rolle des Pastors, der Verkündigungsdienst usw. vom ursprünglichen Bezugsrahmen gelöst und verändert hat.[15] Kurz, es geht um die Prüfung dessen, was als kulturgebundene Gemeindesituation anzusehen ist und darum "heute eine andere Handlungsweise erfordert".[16]
  5. Unmittelbar damit ist zu beachten, dass der vorliegende Text in Relation zur neuen Stellung und Würdigung der Frau bei Jesus, der maßgeblichen Mitarbeit der Frauen bei Paulus und dem Leib-Glied-Denken (1. Kor 12) zu setzen ist.[17] Ebenso wichtig ist der Bezug zu 1. Petr 2,9! Hier ist die Gefahr besonders groß, dass ein reformatorisches Kirchen- und Amtverständnis das Interpretationsmuster wesentlich bestimmt.[18]
  6. Die weiterentwickelte Gemeindesituation in den Pastoralbriefen darf in Bezug auf "Ämter" nicht gegen die anderen Paulus-Gemeinden ausgespielt werden. Es ist eher ein fließender Übergang der Gemeindeformen zu erkennen. Aufmerksamkeit verdient allerdings die besondere Problematik der Irrlehrer.
  7. Um nicht der Gefahr des anachronistischen Denkens zu erliegen, muss schließlich der Unterschied zur heutigen Gemeindestruktur mit ihren Kirchgebäuden wahrgenommen werden. In den Pastoralbriefe wie sonst in den Paulusbriefen ist selbstverständlich mit der üblichen oikos-Konzeption zu rechnen.[19] Das Haus im Sinne des Wohnhauses, der Großfamilie und das Haus in der Bedeutung der gemeindlichen Versammlungsstätte überschneiden sich.[20]
  8. Vor dem Hintergrund der oikos-Konzeption, die zugleich eine ekklesiologische Struktur beschreibt, ist 1. Tim 2,11-12 zu verstehen.[21] Das Potential der Großfamilie wird zwar für die Gemeinde nutzbar gemacht,[22] umgekehrt tritt aber die Hausgemeinde mit ihren Verpflichtungen nicht an den Platz der Großfamilie. In den Pastoralbriefen lässt sich jedoch beobachten, dass die speziellen Anweisungen für die Großfamilie durch die Hausgemeinderegeln bekräftigt werden (1. Tim 3,3-5).[23]

Exegetischer Klärungsversuch

Kontext

Die speziell Frauen betreffende Anweisung in 2,11-12 steht im unmittelbaren Kontext von 2,9-15 und im größeren Zusammenhang von 2,1-3,16. Dieser Abschnitt unterteilt sich in zwei Passagen: Kapitel 2,1-7 enthält die Gebetsanweisung mit einer missionarischen Zielrichtung. Auf Grund der oikos-Konzeption sind die Aussagen aber nicht einseitig - wie weithin postuliert – als Anordnungen für den Gottesdienst zu sehen.[24] Eher entspricht der Aufbau (Obrigkeit, Männer, Frauen) den sog. "Haustafeln", die zum Verhalten im Haus ermahnen.[25] Kap. 3 beschreibt die Qualifikation der Gemeindevorsteher und Diakone.

Kapitel 2 beginnt mit der allgemeinen Anordnung zum Gebet in allen Formen (2,1) und schließlich: en panti topo (2,8: an jedem Ort|). Ob die Anweisung für das Gebet der Männer (2,8) demnach nur im gottesdienstlichen Rahmen gemeint ist, bleibt fraglich. Auf jeden Fall knüpft die Konjunktion oun (also) an die Verse 1-7 an und wird so zur Schlussfolgerung der grundlegenden Aussagen zum Gebet. Auf diese kurze Anweisung für die Männer (2,8) folgt mit dem Adverb hosautos (desgleichen) die erheblich umfassendere Ermahnung an die Frauen (2,9-15).[26] Nach Abschluss der Einzelexegese wird nochmals auf die kontextuelle Verbindung zwischen 2,9-10 und 2,13-15 einzugehen sein.

Analyse der Satzstruktur zu den Versen 11-12

Die Verse 11 und 12 sind antithetisch (de), so dass den Geboten des Lernens und der Unterordnung die Verbote des Lehrens und Herrschens einander gegenüberstehen.[27]

"Eine Frau in der Stille lerne in aller Unterordnung.
sondern in der Stille zu sein." Zu lehren aber einer Frau erlaube ich nicht auch nicht zu herrschen über dem Mann


Jetzt wird deutlich, dass dem Gebot der Stille am Anfang (2,11) der Schluss von Vers 12 entspricht. Der Gedankenkreis ist damit geschlossen und zeigt die Zusammengehörigkeit der Verse. Auch die beiden Gegensätze zwischen Lernen und Lehren einerseits und der Unterordnung und dem Herrschen andererseits treten durch die Satzstruktur hervor.

Einzelexegese

2,11a: "Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung."
        gyne  en hesychia manthaneto en pase hypotage                      

Zuerst ist zu fragen, ob mit dem Begriff gyne die Frau allgemein oder speziell die Ehefrau gemeint ist. Allein der Ausdruck gyne. "bezeichnet die Frau ohne Rücksicht auf Alter oder Stand."[28] Im Kontext dieses Textes ist vermutlich die Ehefrau gemeint, denn in 2,15 wird die Frau in ihrer primären Aufgabe als Mutter angesprochen. Auch die Artikellosigkeit vor andros (Mann) in 2,12 steht für "ihren Mann"[29] was gut zur wichtigen Parallelstelle aus 1. Kor 14,35 passt, die ausdrücklich die idious andras (eigenen Männer, vgl. Titus 2,4-5) erwähnt[30] und in ihrer Kontextverbindung ebenso das Lehren, Lernen und Unterordnen betont.

Wenn diese Erklärung richtig ist, dann richtet sich das Lehrverbot in erster Linie an die Ehefrau. Bestätigung findet dieses Ergebnis in der bereits angezeigten Satzstruktur, in dem das Lernen in der Unterordnung (2,11) antithetisch zum Nichtherrschen über dem Mann steht (2,12). Allein aus dieser Perspektive hat A. Schlatter recht, wenn er meint: "Paulus schaltet aus dem Leben der Gemeinde alles aus, was die Ehe brüchig machen würde."[31] Mit der oikos-Konzeption ist damit zugleich die Einheit der Hausgemeinde gefährdet.

2,11b: Das gebotene Lernen[32] der Frau soll in der "Stille" geschehen. Der hier gewählte Ausdruck hesychia kann "Ruhe, Frieden und Ungestörtheit" bedeuten (2,11a).[33] Aufschluss über die Signifikanz des Ausdruckes gibt 2,2. Dort wird die Motivierung zum Gebet beschrieben, die zu einem ruhigen und stillen (hemeron kai hesychion) Leben in der Ausübung des Glaubens führen kann. Dass weder an ein stummes Dasein noch an ein wortloses Leben gedacht ist, versteht sich von selbst. [34] Vielmehr gehört zur Ausübung des Glaubenslebens das Sich-Einfügen in die vorhandenen Ordnungen der Gemeinde.[35]

Wenn die Bedeutung des Lernens (manthaneto) zur Klärung hinzugezogen wird,[36] dann kann das Lernen nie auf ein bloßes Zuhören reduziert bleiben, sondern beinhaltet das Tun der guten Werke,[37] (vgl. 1. Tim 5,4; 2. Tim 3,14; Titus 3,14). So ist das Lernen in der Stille eine höchst aktive Sache.

Bestätigung findet diese Verstehensweise durch die präpositionale Wendung en pase hypotage (in aller Unterordnung), das die Art und Weise des Lernens beschreibt (2,11b). Das dazugehörige Adjektiv pase (alle) unterstreicht die Vollständigkeit der Unterordnung.[38] Vielleicht will Paulus jeglicher Rangverschiebung der Frau beim Lernen wehren. Und zwar in der Weise, dass damit alle Ausnahmen und Schleichwege verhindert werden sollen, durch die die Frauen bewusst oder unbewusst ggf. durch ihre äußere Aufmachung (2,9) die Männer manipulieren, um sie in eine innere Abhängigkeit zu sich bringen.[39]

2,12a: "Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still."

Didaskein de gynaiki ouk epitrepo oude authentein andros, all’ einai en hesychia

Die öfters zu lesende Ansicht, Paulus würde "nicht allgemein, sondern auffallend persönlich: 'Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre'" schreiben, ist keineswegs dahingehend zu interpretieren als würde Paulus seine Privatmeinung vertreten.[40] Selbst wenn epitrepo in der 1. Person steht, redet Paulus auch sonst jeweils unter der Leitung des Geistes (vgl. 1. Kor 7,40) oder ist am Herrn ausgerichtet (vgl. 1. Kor 16,7).[41]

Viel umstrittener ist die Fragestellung, ob 2,12 zwei Verbote oder nur eines beinhaltet. Wenn es sich um zwei Verbote handelt, dann darf eine Frau weder lehren noch über den Mann herrschen. Wenn es sich um ein Verbot handelt, dann ist das Lehren eine nähere Erklärung des Herrschens. Also in dem Sinn: eine Frau soll nicht lehrend über ihren Mann herrschen. Ob - wie oft erklärt - die Verbindung des Partikels ouk (nicht) mit der Konjunktion oude (auch nicht)[42] genau dasselbe ausdrücken will,[43] greift zu weit.[44] Dennoch wirkt oude hier wie eine vertiefende Steigerung, die das vorher Gesagte konkretisiert. Es liegen also zwei Verbote vor:

  1. Ein Lehrverbot, das noch näher zu definieren ist.
  2. Ein Lehrverbot über dem Mann als eine Form des Herrschens.

Zur Bedeutung von „didasko“ in 2,12a

Mit seinen 15 Vorkommen gehört das Lehren zu einem zentralen Begriff in den Pastoralbriefen. Obwohl durch die Voranstellung des didaskein das Lehrverbot in 1. Tim 2,12 zusätzlich noch besonders betont ist, zeigt schon der Kontext der Pastoralbriefe wie die übrigen ntl. Briefe[45], dass es sich nicht um ein generelles Lehrverbot der Frauen handeln kann.

Schon innerhalb der Pastoralbriefe ist eine Lehrtätigkeit der Frauen freilich vorausgesetzt. 2. Tim 2,2: "Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen (anthropois) an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren" (didaxei). Zudem fällt auf, dass das Lehrverbot der Frauen nicht ebenfalls an Titus gerichtet wird, obwohl der Brief etwa zur selben Zeit geschrieben wurde. Das Umgekehrte kann gesehen werden. Titus 2,3-4: "sage [. . . ] desgleichen den alten Frauen, dass sie sich verhalten, wie es sich für Heilige ziemt, [. . . ] Sie sollen aber Gutes lehren" (kalodidaskalous). Wenn auch die Bestimmung der weiblichen Diakone in 1. Tim 3,11 umstritten ist,[46] so spricht doch der unmittelbare Kontext und maskuline Gebrauch von diakonous (1. Tim 3,8: Diener) im Vergleich zu Röm 16,1 dafür.[47] Weiter ist zu bedenken, dass die aufgeführten Kriterien (in 1. Tim 3,8-11) selbstverständlich für jeden Christen gelten. Darum ist die Hervorhebung ein Anhaltspunkt für einen festen Dienst der Frauen. Das Dienersein der Frauen (gynaikas) schließt - wie auch sonst im paulinischen Sprachgebrauch - neben dem Liebesdienst insbesondere den Verkündigungs- und Lehrdienst ein (vgl. 1. Kor 3,6; Phil 1,1; Apg 18,1-3.24-26). Gerade mit der Zuordnung der gynaikas als diakonous bekommen die weiblichen Diakone im sich anschließenden Kontext von 1. Tim 2,12 nochmals ihre Grundausrichtung gesagt, denn das innere Wesen dieses Dienstes ist nirgends im NT mit einer amtlichen Würdestellung beschrieben. Vielmehr ist unter Bezugnahme auf Jesu Wort (vgl. Mk 10,45) auf Macht und Herrschaft zu verzichten.[48]

In diesem kurzen Exkurs darf der Hinweis auf das Ehepaar Priska und Aquila nicht fehlen, da sie ja selber in Ephesus in der paulinischen Missionsarbeit entscheidend mitgewirkt haben. Wie bekannt wird Priska an den meisten Stellen vor ihrem Ehemann aufgeführt (vgl. Apg 18,18.26; Röm 16,3), was ihr einen herausragenden Platz innerhalb der Gemeindearbeit zu geben scheint. Dass Paulus diese Reihenfolge sogar im Brief an Timotheus beibehält (2. Tim 4,19), ist ein weiteres Indiz, die das Lehrverbot in 1. Tim 2,12 einer lokal begrenzten Problematik innerhalb der Gemeinde in Ephesus zuzuweisen ist.[49] Weiter bleibt in den paulinischen Hauptschriften das Lehren nicht nur charismatischen Lehrern vorbehalten, sondern gilt auch Lehrerinnen[50] (Röm 12,7; 1. Kor 12,28), deren charismatischer Beitrag zum Aufbau der Gemeinde erwartet wird. 1. Kor 14,26: "Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder (hekastos) einen Psalm, er hat eine Lehre" (didachen). Hinzu kommt die Tatsache, dass das prophetische Reden nur schwer vom Lehren zu unterscheiden ist und außerdem zum Zentrum des urchristlichen Gottesdienstes gehörte (1. Kor 14,24-25). Gerade diese Teilnahme am lehrhaft-prophetischen Reden wird für Frauen nirgends im NT in Frage gestellt (1. Kor 11,5; 1. Kor 12,8-10.28; 14,1; Röm 12,6-8; 1. Thess 5,17-20).

Nur am Rande soll noch auf zwei höchst bedeutsame Aspekte hingewiesen werden. Zum einen auf den Gesichtspunkt der Erwählung, die im Gesamtgefüge des ntl. Befundes dieser Überlegungen kaum berücksichtigt werden. Doch "die Gleichheit aller Christen in ihrem geistlichen Stand vor Gott ist theologisch ausschließlich im Gedanken der Erwählung und der Rechtfertigung begründet."[51] Und diese Erwählung lässt kein Zweifel daran, dass sie "existentiell mit einer proklamativ verkündigenden Sendung in die Welt verbunden ist" (Joh 15,16). In eben dieser Sendung sind Frauen eingeschlossen. Ebenso dringlich muss im Zusammenhang damit 1. Petr 2,9 beachtet werden, das von der königlichen Priesterschaft (auch) der Frauen ausgeht, die explizit auf das Verkündigen der Rettungstaten Gottes (aretas exaggeilete) hinzielt.[52]

Auf diesem Hintergrund dürfte der Ausdruck didasko in 2,12 inhaltlich eine andere Füllung haben, als das, was sonst in den gezeigten Stellen im NT unter lehren verstanden wird. Einmal ist es die spezielle Situation in Ephesus mit ihrer massiven Irrlehre, die sich in den Briefen an Timotheus wiederspiegelt (u.a. 1. Tim 1,4; 4,1-3.7-8; 6,3-5.20). Sie grenzt die Bedeutung der Lehre ein. So kann es sich nur um die von Paulus grundlegende und maßgeblich überlieferte Lehre handeln (2. Tim 1,11).

Die theologische Grundintension von kalen paratheken (1. Tim 6,20; 2. Tim 1,14: "anvertrautes Gut") entspricht didasko in den Pastoralbriefen. Der Begriff des "anvertrauten Guts" ist aus dem juristischen Bereich übernommen, um damit die Verantwortung für die Unversehrtheit einer Sache Sorge zu tragen (Depot), die jemandem übergeben wurde. Nichts anderes ist mit der grundlegenden Lehre gemeint. Und zwar deshalb, weil das NT noch nicht in schriftlicher Form vorlag. Ausdrücklich wurde Paulus als Lehrer mit apostolischer Autorität von Gott eingesetzt, um diese grundlegende Wahrheit (1.Tim 2,7) einzig an den Gemeindeleiter (Timotheus) weiterzugeben[53] (1. Tim 1,18).[54]

Abgeleitet vom Kontext der Pastoralbriefe und insbesondere der Timotheusbriefe ist mit didasko in 2,12 die maßgebliche autorisierte Lehrart gemeint, die den Frauen untersagt wird.

Welche Bedeutung hat das hapax legomenon „authentein“?

Mit Akribie untersucht H. S. Baldwin den Begriff authentein (herrschen) in allen ihm zugänglichen Lexika und in nahezu 90 außerbiblischen Schriften bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Sein Ergebnis: authentein ist am ehesten mit "herrschen, souverän regieren, kontrollieren, beherrschen oder zwingen, jemand beeinflussen, despotisch herrschen, tyrannisieren" zu übersetzen.[55] Welche der nuancierten Deutungen für den 1. Tim gelten, kann einzig der Kontext ergeben. Wenn das bisher Gesagte angesetzt wird und mit den Reichtumspassagen (2,8-10; 5,12-16 und 6,7-10) in Verbindung steht[56], dann bedeutet authentein am ehesten "Autorität an sich reißen", indem die Frauen mit ihrem Reichtum und ihren Lehren "Einfluss ausüben".[57] Von einflussreichen Frauen, die sozial unabhängig waren, kann ausgegangen werden.[58]

Zuletzt muss noch der unmittelbare Kontext ab 2,13 beachtet werden, weil er die Begründung für beide Verbote in 2,12 beinhaltet.

Die Begründung zu 2,12

2: 13-15 "Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen. Sie wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung."

Das Gefälle des Textes mündet in eine schöpfungstheologische (2,13) sowie hamartiologische (2,14) Begründung. Paulus stellt Adam und Eva einander gegenüber. Er hebt hervor, dass Eva die Zweiterschaffene ist. In 2,14 schließt er mit dem Bindewort kai das zweite exegetische Argument an. Hier wird Eva als die "Einzigverführte" vorgestellt.[59] Der Gedanke, dass Eva die Verführte (apatao) ist, klingt bei Paulus bereits im 2. Kor 11,3 an.[60]

Vers 15 steht durch de (aber) und dem Zeitwechsel des Seligwerdens, das in der Zukunftsform (sophrosynes) steht im Gegensatz zu 2,14. Ohne Zweifel enthalten diese Verse mehrere exegetische Schwierigkeiten.[61] Merkwürdig ist u.a. der Wechsel von der 3. Person Singular sothesetai ("sie wird selig werden") in 2,15a zur 3. Person Plural ean meinosin ("wenn sie bleiben") in 2,15b. Befremdend ist gar die Aussage, dass Frauen durch Kindergebären gerettet werden sollen. Zur Lösung des Kindergebärens ist der Gebrauch der Einzahl (2,15a), aber besonders der Wechsel zur Mehrzahl nicht unwichtig. Während sich die Einzahl ("Sie wird aber selig werden") wohl auf Eva bezieht, sind mit der Mehrzahl die christlichen Frauen zu verstehen ("wenn sie bleiben"). Das Gerettetwerden der christlichen Frauen hat letztlich aber nichts mit dem Kindergebären zu tun, denn die Begründung (gar) beinhaltet eindeutig das Bleiben im Glauben, in der Liebe, Heiligkeit und Besonnenheit (2,15). Paulus will demnach nicht sagen, dass alle Frauen Kinder zur Welt bringen müssen, um gerettet zu werden. Vielmehr rettet einzig das Bleiben im gelebten Glauben. Ein Widerspruch zur paulinischen Rechtfertigung "allein aus Glauben" besteht daher keineswegs.

Auch der Gesamtkontext des 1. Tim spielt eine wichtige Rolle. Wie der Brief zeigt, gab es Irrlehrer, die in ihrer Lehre in überspannter schwärmerischer Weise die Auferstehung bereits als vollzogen verkündeten und darum die Ehe und im Zuge dessen wahrscheinlich auch das Kindergebären verboten haben (4,1-5; 5,11). Paulus greift wahrscheinlich deshalb das Kindergebären als spezifische Antwort gegen diese Irrlehrer auf.

Indem Paulus die Verse 11-12 mit den Versen 13-14 begründet, argumentiert er mit Eva als Repräsentantin der Zweiterschaffenen und Erstverführten aller Frauen. Im Anschluss an das bisher Gesagte muss nochmals der Kontext in den Blick genommen werden. Da zwischen dem Ermahnungsteil 2,9-3,1 kein gedanklicher Bruch zu finden ist und die Thematik des Lehrens und herrschenden Einflusshabens in den Versen 11-12 völlig unvermittelt nach dem Ermahnungsteil über den wahren Schmuck der Frauen einsetzt, gehören die Verse 9-10 ebenfalls zur ganzen Passage.[62] U. Wagener ist darum recht zu geben, wenn sie einen chiastischen Gesamtaufbau feststellt.[63]

Bild:Textbild frau lehre1.gif

Die Schmuckpolemik bzw. das äußere Auftreten der Frauen, das Lehrverbot und autoritäre Einflussnehmen über den Mann sowie die Schöpfungsordnung[64] und die Anfälligkeit zur Verführung gehören damit zusammen. Beide Aussagen kristallisieren sich in den Schlussaussagen, wenn Eva typologisch verstanden wird. "Die Zweiterschaffene soll sich nicht als herrschsüchtig Lehrende zur Ersten machen"[65] (2,13) und die einzig Verführte (2,14) soll nicht mit ihrer äußeren Aufmachung die Männer verführen.

Aufs Gesamte gesehen spricht Paulus in der Textpassage (2,9-15) nicht von zwei unterschiedlichen Missständen in der Gemeinde, sondern von einer besonderen Problematik. Wahrscheinlich handelt es sich um "wohlhabende und wirtschaftlich unabhängige Frauen, die ihren Anspruch auf eine profilierte Stellung in der Gemeinde vertreten."[66] Der Reichtum der Frauen gab ihnen die Möglichkeit, mit ihrer Verführungskunst über die Männer zu herrschen und zugleich bildete es die Grundlage, ihren Einfluss geltend zu machen.[67] Neuere Forschungen, die sich mit den "Frauenwelten in der Antike" beschäftigen bestätigen diese Einschätzung.[68]

Schlussbemerkung

Die Exegese konnte zeigen, dass 1. Tim 2,11-12 schon zur ntl. Zeit kein generelles Lehrverbot für alle Frauen darstellte. Einzig die damals normgebende Lehre, an dessen Platz heute aber die Bibel steht und nicht eine Person, die sie lehrt, war untersagt.[69]

Hinzu kommt das Verbot gegen die Frauen, manipulierend Einfluss gegenüber den (eigenen) Männern, dann aber auch in der Hausgemeinde allgemein zu gewinnen. Dabei spielte die soziale Unabhängigkeit aufgrund ihres Reichtums eine maßgebliche Rolle. Nur so konnten sie sich mit ihrem Luxus schmücken. Im Gegensatz dazu ermahnt Paulus zu einer unaufdringlichen Haltung, die sich durch gute Werke zu zeigen hat.

Resümierend bleibt festzuhalten, dass eine Frau heute gemäß ihrer Berufung und Gaben im Gemeinde- und Missionsdienst verkündigen und lehren kann.[70]

Referenzen

  1. Dieser Artikel wurde im Jahr 2000 verfasst
  2. Vgl. Priscilla Papers (PP), seit ihrer 1. Ausgabe 1987 wird die Thematik diskutiert. A. Baum, Aus englischen evangelikalen Zeitschriften, ETM, 6/2 (2000), 20-21. M. B. Smith und I. Kern (Hg.), Ohne Unterschied? Frauen und Männer im Dienst für Gott, Gießen: Brunnen, 2000.
  3. J. Cochlovius vertritt die Ansicht, dass der "Lehrvortrag" sowie die bloße Beteiligung am "Lehrgespräch" den Frauen untersagt sei, weil es sich um ein "striktes apostolisches Verbot" handle (S. 197). Seine Begründung: "Das öffentliche Reden der Frau im Lehrteil des Gottesdienstes (ist) ein Eingreifen in den Verantwortungsbereich des Mannes und damit eine Verletzung des Gebots der Unterordnung" (S. 197). Weiter plädiert er dafür, dass bereits der "zeugnishafte Bericht" unter den Verdacht kommt, ein Lehrbeitrag zu sein. Deshalb sollte sich "dieser deutlich von der Predigt absetzen" (S. 199). J. Cochlovius, Die Freiheit des Glaubens, Eine Auslegung des 1. und 2. Korintherbriefes, Holzgerlingen: Hänssler, 1999, bes. 197-199. Vgl. die Rezension JETh 14 Wuppertal: Brockhaus, 2000, 192-194. Vgl. E. Spir, Erklärung evangelisch-lutherischer Pastoren zur Frage der Zulassung von Frauen zum Geistlichen Amt, IDEA Spektrum, 6 (2001), 35.
  4. Vgl. L. Roembke, Multikulturelle Teams. Risiken und Chancen, Gießen: Campus für Christus, 2000, 56-62. C. Conrad, Die ledige Frau in der Glaubensmission, Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1997.
  5. Ca. 70% der ehrenamtlichen Mitarbeit wird von Frauen getan. Vgl. F. & R. Höher, Handbuch Führungspraxis Kirche: Entwickeln, Führen, Moderieren in zukunftsorientierten Gemeinden, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1999, 29.
  6. Ausnahme u.a. "Zinzendorfs Bild der Frau: Auf dem Weg zur kirchlichen und gesellschaftlichen Emanzipation der Frau", in: Peter Zimmerling, Nikolaus Ludwig Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeinde. Geschichte, Spiritualität und Theologie, Holzgerlingen: Hänssler, 1999, 40-57.
  7. Auf diesem Hintergrund entstand die "Feministische Exegese." Vgl. M. Oeming, Biblische Hermeneutik. Eine Einführung, Darmstadt: Primus, 1998, 129-139. Teilweise werden in diesem Bereich auch positive Arbeiten vorgelegt. Vgl. D. Sattler, Gesammelte Nachdenklichkeit, Neuere Beiträge zur theologischen Frauenforschung, 94. Jahrgang ThRv 6 (1998), Sp. 603-614.
  8. Vgl. A. Ableiter, Das Lehrverbot für die Frau in 1. Tim 2,11-15. Darstellung und Auswertung verschiedener exegetischer Auslegungsmöglichkeiten im evangelikalen Bereich unter Berücksichtigung hermeneutischer Gesichtspunkte, Korntal: Akademie für Weltmission, Externes Studienzentrum Columbia International University, 1996, 25-150.
  9. Vgl. u.a. C. Morgner, Stellung und Dienst der Frau in unseren Gemeinschaftsverbänden, in: Geistliche Leitung als theologische Aufgabe, Kirche – Pietismus – Gemeinschaftsbewegung, CTM, Reihe C, Bd. 30, Hg. M. Brecht u.a. Stuttgart: Calwer, 2000, 307-334. C. Mack und F. Stricker (Hg), Beauftragt und Begabt, Frausein nach biblischen Vorbildern, Holzgerlingen: Hänssler, 2000. R. Sanders, Frauen im Neuen Testament, Zwischen Glaube und Auflehnung, Darmstadt: Primus, 1999. A. Köstenberger, T. R. Schreiner, H. S. Baldwin (Hg.), Frauen in der Kirche. 1. Tim 2,9-15 kritisch untersucht, BWM, Bd. 6, Gießen: Brunnen, 1999. G. Bilezikian, Gemeinschaft: Gottes Vision für die Gemeinde, Asslar: Projektion J, 1999. A. Kuen, Die Frau in der Gemeinde, Wuppertal: Brockhaus, 1998. H. Hempelmann, Gottes Ordnungen zum Leben, Die Stellung der Frau in der Gemeinde, Bad Liebenzell: Liebenzell, 1997. T. H. Melzer-Keller, Jesus und die Frauen. Eine Verhältnisbestimmung nach den synoptischen Überlieferungen, HBS, Bd. 14, Hg. H.-J. Klauck und E. Zenger, Freiburg: Herder, 1997.
  10. Dazu U. Wagener, Die Ordnung des Hauses Gottes. Der Ort von Frauen in der Ekklesiologie und Ethik der Pastoralbriefe, WUNT, Bd. 65/2, Hg. M. Hengel und O. Hofius, Tübingen: Mohr, 1994, 115-234.
  11. Vgl. M. Baumert, Die Wirkungsgeschichte neutestamentlicher Texte, in: H.-W. Neudorfer und E. J. Schnabel (Hg.), Studium des Neuen Testaments, Bd. 2: Spezialgebiete, BWM, Bd. 8, Wuppertal: Brockhaus, 2000, 291-313.
  12. So J. Roloff, Der erste Brief an Timotheus, EKK, Bd. 15, Hg. J. Blank, u. a. Zürich: Benziger, 1988, 23-48.
  13. "Kurzum: 1. Kor 14,34f ist deutero- bzw. tritopaulinisch." So W. Schrage, Der erste Brief an die Korinther (1. Kor 11,17-14,40), EKK, Bd. VII/3, Hg. N. Brox u.a., Neukirchen: Neukirchener, 1999, 486. Selbst W. de Boor will einen "später in den Text gekommenen Einschub" nicht ganz ausschließen, W. de Boor, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, WpSt, Hg. A. Pohl und ders. Wuppertal: Brockhaus, 41977, 246.
  14. Etwa G. Holtz, Die Pastoralbriefe, ThHK, Bd. 13, Hg. E. Fascher, J. Rohde und C. Wolff, Berlin: Evang. Verlagsanstalt, 31980, 72-73.
  15. A. Kuen stellt bedenkenswerte Anfragen, vgl. a.a.O., 219-230.
  16. So die "Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel", in: J. Cochlovius, und P. Zimmerling, Evangelische Schriftauslegung, Wuppertal: Brockhaus, 1983, 277. Falls diese hermeneutische Grundregel keine Anwendung findet, dann müssen konsequenter Weise alle übrigen Anweisungen des NT wie etwa der heilige Kuss, die Haarlänge oder die Fußwaschung ohne Ausnahmen in der Gemeinde angewandt werden. Vgl. A. Mickelsen, Did Paul Practice What He Preached? PP 47/3 Vol. 12, (1998), 7-10. 7. Mickelsen sensibilisiert für das Problem des selektiven Literalismus in der Exegese.
  17. Vgl. etwa W. Haubeck, Frauen in der Begegnung Jesu und in seiner Nachfolge, in: C. Mack und F. Stricker (Hg), a.a.O., 210-221. R. W. Gehring, Die Leitungsaufgaben der Frau in den paulinischen Hausgemeinden, in: Hausgemeinden und Mission, Die Bedeutung antiker Häuser und Hausgemeinden – von Jesus bis Paulus, Gießen: Brunnen, 2000, 359-384.
  18. Vgl. M. Liebelt, Allgemeines Priestertum, Charisma und Struktur, Grundlagen für ein biblisch-theologisches Verständnis geistlicher Leitung, STM, Bd. 5, Wuppertal: Brockhaus, 2000, 34-52.
  19. Vgl. 1. Tim 3,4.5.12.15; 5,4; 2. Tim. 1,16; 4,19; Tit. 1,11.
  20. Vgl. R. W. Gehring, a.a.O., u.a. 438-439. 450 Anmerkung 332. R. Reck, Die Bedeutung der Häuser, 235-241 in: Kommunikation und Gemeindeaufbau. Eine Studie zu Entstehung, Leben und Wachstum paulinischer Gemeinden in den Kommunikationsstrukturen der Antike, SBB, Bd. 22, Hg. H. Frankemölle und F.-L. Hossfeld, Stuttgart: Kath. Bibelwerk, 1991, H.-J. Klauck, Die Hausgemeinde als Lebensform im Urchristentum, 11-28 in: Gemeinde – Amt - Sakrament: Neutestamentliche Perspektiven, Würzburg: Echter, 1989.
  21. So auch J. Roloff, Exkurs: Das Kirchenverständnis der Pastoralbriefe, in: Der erste Brief an Timotheus a.a.O., 211-217. Da Roloff Paulus nicht als Autor der Pastoralbriefe ansieht, reduziert er die Gemeinde als Haus (1. Tim 3,15) im Gegensatz zur geistgewirkten Gemeindestruktur bei Paulus in eine statische Form. Das geistgewirkte Wachstum ist der Festigung der Institution gewichen.
  22. Vgl. H.-J. Klauck, a.a.O., 27. So bietet die Hausgemeinde einen besonderen Ort der Nähe zueinander und gibt Gelegenheit zu Glaubensäußerungen. Sie ist "Gründungszentrum und Baustein der Ortsgemeinde, Stützpunkt der Mission, Raum des Gebets, Ort der katechetischen Unterweisung." R. W. Gehring, a.a.O., u.a. 174-182. 311-323.
  23. Vgl. U. Wagener, Die Ordnung des Hauses Gottes. Der Ort von Frauen in der Ekklesiologie und Ethik der Pastoralbriefe, WUNT, Bd. 65/2, Hg. M. Hengel und O. Hofius, Tübingen: Mohr, 1994, 231.
  24. Allzu schnell wird die heutige Gottesdienstform mit der zentralen Stellung der Predigt in den Text eingetragen anstatt 1. Kor 14,26.31 zu bedenken. Denn "die Versammlungen bestanden aus informellen Gesprächen, bei denen jeder seinen Beitrag zur gemeinsamen Erbauung lieferte." A. Kuen, a.a.O., 226.
  25. Vgl. L. Oberlinner, Die Pastoralbriefe, Erster Timotheusbrief, HThK, Bd. XI/2, Hg. J. Gnilka und L. Oberliner, Freiburg: Herder, 1994, 83.
  26. Die nachfolgende Bekräftigungsformel pistos ho logos (3,1: Glaubwürdig (ist) das Wort) bezieht sich noch auf 2,15, denn alle Abschnitte mit dieser Formel sind mit einer Rettungsverheißung verbunden (1. Tim 1,15; 3,1a; 4,9; 2. Tim 2,11; Titus 3,8). Mit 3,1b beginnt damit eine neue Thematik. Vgl. A. Schlatter, Die Kirche der Griechen im Urteil des Paulus. Eine Auslegung seiner Briefe an Timotheus und Titus, Stuttgart: Calwer, 31983, 95.
  27. Ähnlich vgl. U. Wagener, a.a.O., 75.
  28. J. B. Bauer, gyne, EWNT, Bd. I, 642 - 643. 643.
  29. F. Blass und A. Debrunner, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 171990, 207 (kursiv Rehkopf). Obwohl an der Richtigkeit dieser grammatischen Aussage nicht gezweifelt werden kann, ist exegetische Umsicht geboten, weil die Textbasis klein ist.
  30. Bemerkenswert ist der Textvergleich zwischen 1. Tim 2,8-15 und 1. Petr 3,1-7. Die Parallelen reichen bis in den Wortlaut hinein und beide Texte begründen das Verhalten mit atl. Vorbildern. Obwohl zwei unterschiedliche Autoren vorliegen, ist durch die inhaltliche Nähe eine gemeinsame Tradition möglich. Vgl. L. Goppelt, Der erste Petrusbrief, KEK, XII/1, Hg. F. Hahn, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1978, 213-214. Wortparallelen vgl. 213, Anmerkung 2. Weil 1. Petr 3,1ff eindeutig von Ehefrauen und Ehemännern spricht und die sprachliche Nähe zu 1. Tim 2,8ff offensichtlich erscheint, stellen Ausleger 1. Tim 2,8ff eben in diesen Bezugsrahmen. So A. Kuen, a.a.O., 198-202.
  31. A. Schlatter, a.a.O., 90.
  32. Imperativ, Präsenz, Aktiv.
  33. C.H. Peisker, hesychia, EWNT, Bd. 2, 310 - 311. 311.
  34. Vgl. A. Schlatter, a.a.O., 88.
  35. Vgl. 1. Thess 4,11 und 2. Thess 3,12. Das Sich-Einfügen ist Kennzeichen des Geistbegabten im Gottesdienst (1.Kor 14,32-33) mit dem Ziel, zur Einheit und dem Frieden in der Gemeinde zu gelangen.
  36. Das Lernen (manthaneto) ist mit der Wortgruppe des Jüngers (mathetai) verbunden.
  37. Im Gegensatz zu den Frauen, die falsche Lehren verbreiten und lernen faul zu leben (vgl. 1. Tim 5,13).
  38. Vgl. B. Reicke und G. Bertram, pa,sh, ThWNT, Bd. V, 885 - 895. 885 - 886.
  39. So G. Holtz, Die Pastoralbriefe, ThKNT, Bd. XIII, Hg. E. Fascher, J. Rohde und C. Wolff, Berlin: Evang. Verlagsanstalt, 31980, 69.
  40. So F. Grünzweig, Der 1. Timotheusbrief, Edition C: Bibelkommentar, Bd. 18, Hg. G. Maier, Neuhausen: Hänssler, 1990, 107 (kursiv Grünzweig). Auch A. Schlatter, Die Briefe an die Thessalonicher, Philipper, Timotheus und Titus, Erläuterungen zum NT, Bd. 1, Stuttgart: Calwer, 1964, 145 - 146.
  41. Weitere Belege bei G.W. Knight, The Pastoralbriefe Epistel: A Commentary on the Greek Text, The New International Greek Testament Commentary, Grand Rapids: Eerdmans, 1992, 140.
  42. Vgl. Belegstellen mit der gleichen Wendung. 14 mal ist die Verbindung des Partikels ouk mit der Konjunktion ouvde. in dergleichen grammatikalischen Form in den paulinischen Briefen gebraucht und jedes mal lässt sich eine zusammenhängende Steigerung beobachten. Röm 3,10; 4,15; 11,21; 1. Kor 11,16; 15,13.16; Gal 1,1; 3,28; 4,14; Phil. 2,16; 1 Thess 2,3; 5,5; 1. Tim 2,12.
  43. So P.B. Payne und T. Edgar zitiert in A. Kuen, a.a.O., 196. U. Wagener, a.a.O., 75 - 76. L. Oberlinner, a.a.O., 96. Er sieht in der betont wiederholten Aussage einen Hinweis eines zentral zu klärenden Misstandes in Ephesus.
  44. Vgl. H. Hempelmann, a.a.O., 51, Am. 31. Vgl. P.-G. Müller, oude EWNT, Bd. II, 1322. Da keine exakte syntaktische Parallele zu 1. Tim 2,12 im NT vorliegt, legte A. J. Köstenberger eine überaus fleißige Arbeit vor, in dem er fast 50 außerbiblische Parallelen aufweisen kann, um ein zweifach voneinander getrenntes Verbot zu postulieren. Vgl. A. Köstenberger, Eine komplexe Satzstruktur in 1. Tim 2,12, 89-113, in: A. Köstenberger, T. R. Schreiner, H. S. Baldwin (Hg.), Frauen in der Kirche. 1. Tim 2,9-15 kritisch untersucht, a.a.O.
  45. Z.B. Phil 4,3: " . . .sie (zwei Frauen) haben mit mir für das Evangelium gekämpft" (en to euaggelio synethlesan). Insbesondere das charismatische Gemeindemodell (1. Kor 12) schließt die vielfältige Mitarbeit der Frauen ein. Vgl. P. Stuhlmacher, Biblische Theologie des NT, Bd. 1: Grundlegung. Von Jesus zu Paulus, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 21997, 362-363. "Was den dauernden Ausschluss von Frauen aus der Lehre und Gemeindeleitung anbetrifft, sind die von Paulus mehrfach variierte Tauftradition von Gal 3,26-28 und ihre Implikationen für Leben und Lehre der Kirche von größerem und grundsätzlicherem Gewicht als das in akuter antignostischer Frontstellung ausgesprochene Schweigegebote von 1. Tim 2,11-12 (und 1. Kor 14,34-35)!" (S. 363). Die aktive Rolle der Frau in der Gemeinde und Missionsarbeit spiegelt sich vor allem in den Grußlisten bei Paulus (bes. Röm 16). Z.B. Phöbe oder das Ehepaar Andronikus und Junias, die "als angesehene Apostel" gelten. Vgl. zu Röm 16 R. W. Gehring, a.a.O., 363-364. Von Interesse ist die Dissertation von K. Schäfer, der im Rahmen seiner Untersuchung "Gemeinde als Bruderschaft" die Rolle der "Schwester in Gemeinde und Mission" unter der Anrede adelphoi in den paulinischen Briefen erarbeitet hat. Mir scheint, dass die Frauenfrage unter diesem Blickwinkel exegetisch kaum gewürdigt wurde. Schäfer kommt zu dem Ergebnis, dass in der Gemeinde als Bruderschaft eine Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern im Gebrauch aller Gaben angezeigt ist und dazu Lehr- und Leitungsaufgaben gehören. Vgl. K. Schäfer, Gemeinde als Bruderschaft. Ein Beitrag zum Kirchenverständnis des Paulus, EHS 23, Theologie, Bd. 333, Frankfurt: Peter Lang, 1989, u.a. 290-313. 385-387.
  46. Vgl. W. D. Mounce, Pastoral Epistles, WBC, 46, Ed. R.P. Martin, Nashville: Thomas Nelson, 2000, 202-204.
  47. Vgl. 1. Tim 3,8-11: "Desgleichen sollen die Diakone (Diakonous hosautos) ehrbar sein, [. . . ] und wenn sie untadelig sind, sollen sie den Dienst versehen. Desgleichen sollen Frauen (gynaikas hosautos) ehrbar sein." Vgl. W. Haubeck, H. von Siebenthal, neuer Sprachschlüssel zum Griechischen NT, Wuppertal: Brockhaus: 1994, 216. Auch J. Roloff, a.a.O., 164. J. van Bruggen, Apostolischer Gemeindebau: Widersprüchliche Ekklesiologien im Neuen Testament? In: H. Stadelmann (Hg.), Bausteine zur Erneuerung der Kirche, Gemeinaufbau auf der Basis einer biblisch erneuerten Ekklesiologie, Bericht von der 10. Theol. Studienkonferenz des AfeT 1997, Wuppertal: Brockhaus, 1998, 57-82. 71.
  48. Vgl. M. Liebelt, a.a.O., 266.
  49. Vgl. A. Meckelsen, a.a.O., 8.
  50. Eine Unterscheidung in der Zuteilung der Gaben zwischen Männer und Frauen ist im NT nicht zu finden.
  51. M. Liebelt, a.a.O., 151 (kursiv ML).
  52. Vgl. dazu den Priester-Begriff im NT und speziell in der Bestimmung der ntl. Gemeinde nach 1. Petr 2,9 bei M. Liebelt, a.a.O., 109-151.
  53. Vgl. P. Trummer, paratheke, EWNT, Bd. 3, 51-52.
  54. Auf diesem Hintergrund ist das Präskript zu sehen. Timotheus ist das "echte, rechtmäßige" (gnesio|) Kind von Paulus. D.h. allein ihm steht es zu, die verbindliche apostolische Lehre zu empfangen, zu bewahren und weiterzugeben.
  55. H. S. Baldwin, Ein schwieriges Wort in 1. Timotheus 2,12, 69-88, in: A. Köstenberger, T. R. Schreiner, H. S. Baldwin (Hg.), a.a.O.
  56. Dazu U. Wagener, der Zusammenhang von Frauen- und Reichenparänese, a.a.O., 163-165.
  57. So auch A.C. Periman zitiert in: L. Oberlinner, a.a.O., 96; Am. 50.
  58. Vgl. L. Oberlinner, Die Pastoralbriefeoralbriefe, Erster Timotheusbrief, HThK, Bd. XI/2, Hg. J. Gnilka und L. Oberliner, Freiburg: Herder, 1994, 90.
  59. In der Zusammenschau mit Röm 5,12 trägt aber nicht Eva allein die Hauptverantwortung für den Sündenfall.
  60. Während der hebräische Ausdruck "verführen" nie in der Bedeutung von "sexuell verführen" belegt ist, kann das in der LXX gebrauchte Lexem apatao, auf das Paulus zurückgreift, semantisch erotisch belegt sein. Vgl. R. Zimmermann, Geschlechtermetaphorik und Gottesverhältnis, Traditionsgeschichte und Theologie eines Bildfelds in Urchristentum und antiker Umwelt, WUNT, 2/122, Tübingen: Mohr, 2001, 312.
  61. Für das Verständnis der Verse 11-12 müssen hier jedoch nicht alle Interpretationsmöglichkeiten diskutiert werden.
  62. Vgl. G. D. Fee, Gospel and Spirit, Issues in NT Hermeneutics, Peabody: Hendrickson Publishers, 21991, 52-65.Vgl. G. D. Fee, Gospel and Spirit, Issues in NT Hermeneutics, Peabody: Hendrickson Publishers, 21991, 52-65.
  63. Vgl. U. Wagener, a.a.O., 110.
  64. Zur Schöpfungsordnung vgl. A. Kuen, a.a.O., 250-259. H. Hempelmann, a.a.O., 53-59.
  65. M. Küchler zitiert in: U. Wagener, a.a.O., 110.
  66. U. Wagener, a.a.O., 111. In den kleinasiatischen Städten des römischen Reiches gab es einen höheren Anteil in religiösen und städtischen Führungspositionen. Am. 270.
  67. Ebd. Vgl. U. Wagener kann auf Ehreninschriften aus Städten hinweisen, in denen die Führungsschicht der Städte Ehrungen erhalten. Die Begrifflichkeiten entsprechen dem Milieu der Pastoralbriefe.
  68. Vgl. u.a. R. Günther, Matrona, vilica und ornatrix. Frauenarbeit in Rom zwischen Topos und Alltagswirklichkeit, in: T. Späth und B. Wagner-Hasel (Hg.), Frauenwelten in der Antike, Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis, Stuttgart: Metzler, 2000, 350-376. R. Günther führt in ihrem Artikel die Komplexität des antiken Hauswesens vor Augen, wie sie heute nicht mehr zu finden ist. Dabei spielt die antike Luxuskritik an Frauen in Verbindung mit einem "schlimme(n) Hausregiment als Tyrannen" eine wesentliche Rolle (350).
  69. Wo heute in der Gemeindepraxis zwischen einer erbaulichen - und eher gebietenden Lehre getrennt wird, liegt eine unzulässige Unterscheidung vor.
  70. Zur praktischen Umsetzung, vgl. u.a. C. Morgner, a.a.O., 326-334.
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