Gottes Willen erkennen (nach Pfr. Dr. Otto Riecker)
Aus LZA - Materialhilfen
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"Wie erkenne ich Gottes Willen?" ist bei großen und kleinen Entscheidungen eine ausschlaggebende Sache.
Folgende Punkte aus der Praxis wollen zu einer von Gott geführten Entscheidungsfindung helfen.
Führung durch Gott wird oft rein inspirativ, d. h. ausschließlich als "Eingebung von IHM" verstanden. Aber sie vollzieht sich in einem ganzen Geflecht von Vorgängen, die miteinander verbunden erst die richtige göttliche Leitung ergeben. Einmal tritt dieser, dann jener Punkt mehr in den Vordergrund, aber entbehrlich ist keiner. Die Klarheit der Führung hängt vom Zusammenwirken der folgenden Faktoren ab:
Wort Gottes
Das Wort Gottes ist die Grundlage der Führung. Aus ihm heraus soll unser Leben gestaltet werden. Die Gesamtschau der Bibel zeigt uns die Wege:
- ihre Aussage über Jesus Christus,
- über den Willen Gottes,
- ihre Offenbarung über den Menschen als Sünder,
- über Jesus als Erlöser und Herrn.
Sonst gibt es ein Handeln nur auf Gefühle und Meinungen hin, und man verfällt in Willkür und Einseitigkeiten.
Um Wegweisung zu erhalten, muss man eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus haben. Sonst ist der eigene Wille nicht unter der Herrschaft Gottes und wir erkennen seinen Willen nur undeutlich. Wenn das Leben Jesus gehört, wurde auch der Heilige Geist geschenkt, er leitet uns nun. Jesus sagt: "Er wird euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe, und ihr werdet es verstehen." Joh 14, 26
Heiliger Geist
Der Heilige Geist, durch den die Bibel geschrieben wurde, übersetzt sie uns in die heutigen Situationen. Ein Beispiel: "Liebet eure Feinde!" (Mt 5,44) - Also wen? Konkret: den bestimmten Menschen, der uns wegen unseres Glaubens Schwierigkeiten macht. Der Geist Gottes zeigt uns, wie sich diese Liebe in den Richtlinien Jesu praktisch verwirklicht. Wenn eine Bibelstelle in dieser Weise direkt zu uns redet, fehlt nur noch der Gehorsam.
Manchmal leuchtet ein Wort aus der täglichen Bibellese in eine Situation, man "bekommt" ein Wort. Man darf natürlich nicht einfach jede Bibelstelle, die in die Lage hineinpasst, als eine Art Orakel nehmen und entscheidend sein lassen. Sie sollte geprüft und mit den anderen Faktoren zusammen gesehen werden.
Ebenso ist auch für die direkte "Eingebung" Prüfung nötig. Manche Leute sagen sehr leicht: "Mir ist klar geworden" und erpressen vielleicht damit noch ihre Mitmenschen. Haben sie wirklich geprüft, was darin Gottes Wille oder ihr eigenes Wunschdenken ist? Der Kurzschluss der allzu schnellen Identifikation, einer naiven Gleichsetzung des göttlichen Plans mit den eigenen Wünschen, passiert schnell.
Wir wollen andererseits aber auch innere Ermutigung und deutliche Hinweise, in einer bestimmten Richtung vorwärts zu gehen, erwarten: Welche Menschen sind zu besuchen? Welche Aufgabe soll wahrgenommen werden? Ebenso Warnungen und Korrektur bei falschen Entscheidungen. "Geistesleitung" ist biblisch und vollzieht sich in vielfacher Weise. (z.B. Simeon: Lk 2,27; Paulus: Apg 1 6,6f).
Beratung
Die Übereinstimmung mit den anderen Christen, ihr Rat und ihr Einverständnis sind sehr wichtig. Wir selbst stehen unseren Wünschen oft zu nahe und dann fehlt häufig die nötige Sachlichkeit. Auch die Geschwister im Glauben werden durch den Geist Gottes geleitet. Sie kennen uns meist genauer als wir selbst. Eine Situation wird oft erst durch mehrere Personen gemeinsam angemessen erfasst. Wir sollten nicht meinen, allein alles richtig erkennen zu können und zu wissen.
Allerdings gibt es Situationen, wo man auch gegen den Rat anderer etwas für Gott wagen muss, wenn einem dies vor IHM klar geworden ist. Aber es ist lieblos und unweise, Geschwister vor vollendete Tatsachen zu stellen, die man völlig eigenmächtig entschieden hat. Solches Handeln ergab schon viele Probleme. Gemeinsames Gebet und Stille zeigen oft den nächsten Schritt für den einzelnen wie für alle.
Verstand
Ihn sollte man nicht aus-, sondern einschalten: im Gehorsam Christus gegenüber! (2. Kor 10,5) Auch der Verstand ist uns von Gott gegeben, um Situationen zu beurteilen. Etwas völlig Absurdes, Ausgefallenes ist meist nicht der Wille Gottes. Manche Dinge kann man mit einem gesunden Menschenverstand besser beurteilen als mit einem überzogenen Glauben.
Eine Liste mit den unterschiedlichen Argumenten kann hilfreich sein zur Entscheidungsfindung: Was spricht dafür? - Was spricht dagegen?
Es gibt natürlich auch Fälle, wo jemand auf Weisung Gottes hin einen Weg einschlug, der in den Augen der meisten sinnlos und verwegen schien, z. B. Charles Studd, der als kranker Mann in vorgerückten Jahren zu weiterem Missionsdienst nach Afrika fuhr und dadurch eine segensreiche Missionsarbeit begann.
Leider ist es oft auch die "Vernunft" der Menschen in unserer Umgebung und ihr bürgerliches, nicht Gott unterstelltes Denken, die von Gehorsamsschritten abraten. Glaubenswege scheinen oft unvernünftig zu sein. Aber wenn der Verstand vom Heiligen Geist erleuchtet ist, ist er zusammen mit den anderen Faktoren ein hervorragendes Werkzeug, den Weg Gottes zu finden. Deshalb sollten wir ihn eher schulen statt abwerten!
Umstände
In den Umständen liegt häufig ein großes Stück Hinweis Gottes. Ob eine Tür offen oder geschlossen ist, kann eine Erlaubnis oder ein Hindernis durch Gott sein. Als William Booth nach London-Ost kam und das dortige Elend sah, brauchte er keine weitere Inspiration. Er wusste: "Hier ist mein Platz". Dort entstand dann die Heilsarmee.
Viele warten auf "besondere" Weisungen Gottes, anstatt das Nächstliegende zu tun, was ihnen eigentlich schon lange als notwendig klar ist, zum Beispiel den Schritt in den vollzeitlichen Dienst für Jesus.
Geld zu geben, wo es notwendig ist, ist eine einfache Pflicht. Man braucht nicht für alles eine besondere Offenbarung zu erwarten. Aber es gibt auch spezielle Weisung. Der Geist Gottes will führen, und man darf erfahren, was in der jeweiligen Situation richtig ist. "Wer bittet, nimmt!" (Mt 7,8)
Gebet
Eine große Bedeutung für die Führung aus Gott hat das Gebet. Wer seine Beziehung zum Herrn pflegt, erkennt leichter den Weg, den ER will. Wer immer nur in Notfällen nach Gottes Willen fragt und sonst tut, was er selbst will, hat wenig Übung und Erfahrung, Führung zu erkennen.
Vieles klärt sich erst durch stets wiederholtes Gebet. Das ist ein Erziehungsweg Gottes. Er will uns lehren, auch in den praktischen Fragen des Alltags stets nach seinem Willen zu fragen, denn das ist uns weithin unbekannt und ungewohnt.
Frage vor allen Entscheidungen nach Gottes Willen und was er dazu meint: "Herr, was willst du? Was soll ich tun?" Dies geschieht gerade im persönlichen und gemeinsamen Gebet. Dort legt man alles vor Gott hin und überlässt ihm die Führung. Diese Hingabe des Eigenwillens ist entscheidend. Sonst geht es trotz allen Betens letztlich doch immer wieder nach unseren eigenen Wünschen
Vieles klärt sich auch im Laufe der Zeit. Das Warten vor Gott bringt dann, wenn die Dinge reif sind, die Klarheit für den nächsten Schritt. Dies ist oft ein normalerer Weg, als alles sofort schlagartig erfassen zu wollen.
Natürlich gibt es auch schnelle, grundlegende Erkenntnis des Willens Gottes. Die Leitung durch den Geist Gottes ist uns auch für den Alltag zugesagt: "Er wird euch in alle Wahrheit führen." (Joh 16,13) Das bedeutet, dass wir im Augenblick erkennen werden, was zu tun ist, was das Richtige ist. Wer sein Leben Gott zur Verfügung stellt und nach seinem Willen handeln will, wird im Alltag von ihm geleitet sein.
Gehorsam
Oft kommt man nicht weiter, weil man den nächsten Schritt, der einem schon klargeworden ist, nicht wagen will. Manche schieben auch Entscheidungen lange vor sich hin aus Angst, einen Fehler zu begehen. Das kann sich jahrelang so hinziehen. Aber erst, wenn dieser Schritt getan ist, wird Gott weitere Weisungen und Aufträge geben oder einen vielleicht falsch eingeschlagenen Weg korrigieren. Einen Weg erkennt man meist erst dann als richtig, wenn man beginnt, ihn zu gehen.
Gott führt Schritt für Schritt; er kennt den Weg und das Ziel. Wir müssen ihn nicht mitbestimmen und kennen, ehe wir einwilligen und gehen. Ein einziger Schritt befreit häufig aus langem Warten und Zögern, das aus unserem Sicherheitsstreben kommt. Aber ein Gehorsamsschritt muss eben gewagt sein.
Neben diesen 7 Faktoren gilt es zu bedenken:
Zeichen
Viele erbitten sich ein bestimmtes Zeichen, um den Willen Gottes zu erkennen, wie z. B. Gideon (Richter 6,36). Das kann manchmal richtig sein.
Wenn es unter der Führung des Heiligen Geistes und aus der inneren Erfassung der Situation heraus geschieht, also von Gott veranlasst ist hat Gott schon oft und deutlich durch erstaunliche Erhörung geantwortet. Bei uns im Lebenszentrum war zum Beispiel schon ein überraschend gespendeter Geldbetrag ein Zeichen und Hinweis, einen weiteren Bauabschnitt zu beginnen.
Andererseits kann man sich das lange Warten und Ringen auf allzu einfache Weise durch ein Zeichen abkürzen wollen. Aber gerade diese Wartezeiten gebraucht der Herr, um uns in unserem eigenwilligen Ich zu zerbrechen und demütig und fügsam zu machen. Dieses eigenwillige Ich müssen wir in seinen frommen und selbstsüchtigen Regungen hinterfragen und erkennen. Denn wir können nicht für alles ein Zeichen beanspruchen; auch hier gibt es kein Schema. Doch dadurch ist man immer neu auf Gott angewiesen.
Irrtum
Weil wir Menschen Sünder sind, besteht immer die Möglichkeit, dass der Wille Gottes trotz allen Fragens nur halb oder falsch verstanden wird. "Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein undeutliches Bild, dann aber sehen wir von Angesicht zu Angesicht. (Früher kannte man nur Metallspiegel, die ein undeutliches Abbild boten.) 1 . Kor 13,12. Wir müssen uns bewusst machen, begrenzt und mangelhaft zu sein, um vor allzu eiligen Kurzschlüssen und primitiven Gleichsetzungen mit Gott und seinem Willen bewahrt zu werden. Wir stehen nicht mit Gott in Telefonverbindung, dass er wie ein Partner funktionieren müsste.
Manchmal ist ein unsicheres Vorwärts gehen nötig, um überhaupt einen Schritt weiterzukommen. Gott kann auch korrigieren, wenn wir dafür offen sind. Der Umweg führt dann auf den ursprünglich geplanten richtigen Weg.
Mut
Wir haben dankbar erfahren, dass Gott immer wieder recht führt und seine Ziele klar in Erscheinung treten und auch erreicht werden, wenn wir uns von ihm leiten lassen. Und manchmal erhalten wir eine erstaunliche innere Gewissheit: "Dieser Schritt ist richtig, den tue ich!"
Im allgemeinen dürfen wir dem Herrn mehr zutrauen, als wir meist tun. Wir müssen ihm einfach erklären:
"Herr, du hast Mittel und Wege, uns deinen Willen deutlich zu machen!" Gottes Wort sagt: "Ich will dich mit meinen Augen leiten!" (Psalm 32,8)
Es ist eines der kostbarsten Vorrechte, dies zu erleben.
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