Verantwortliches Handeln in unserer Zeit

Aus LZA - Materialhilfen

Inhaltsverzeichnis

Die Suche nach Mitarbeitern

Haben Sie nicht auch schon Sätze gehört wie diese:

  • "Es fehlen uns die geeigneten Mitarbeiter..."
  • "Hätten wir nur jemand, die die Mädchenjungschar übernehmen könnte..."
  • "Warum findet sich niemand für die Ältestenwahl...?"

Dieses Problem stellt sich nicht nur in der christlichen Gemeinde, auch in der Wirtschaft und Politik begegnet uns dasselbe Phänomen: Überall fehlt es an qualifizierten Führungskräften. Schon in der Bibel begegnen wir dieser Tatsache, dass Gott Mühe hat, Männer und Frauen zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: "Ich suchte unter ihnen einen, der in die Bresche trete... aber ich fand keinen" (Hesekiel 22,30). "Die Erntearbeit ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter " (Matthäus 9,36). Es ist eine Tragik der Kirchen- und Missionsgeschichte, dass sich oft genug geeignete Mitarbeiter dem Ruf Gottes verweigerten und nicht bereit waren, Verantwortung zu übernehmen. - Umgekehrt wird aber auch deutlich, was Gott aus schlichten Menschen machen kann, die sich ihm zur Verfügung stellen:

  • David, ein Schafhirte, wird König
  • Deborah, eine schlichte Frau, wird zur "Mutter in Israel" und geht in schwieriger Zeit dem Volk voran
  • Petrus, von Beruf Fischer, wird zum Spitzenmann in der Urgemeinde

Sie ließen sich rufen und von Gott gebrauchen. Von ihnen allen gilt: "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt..." (Johannes 15, 16).

Eine schöne Aufgabe

Sehr leicht empfinden wir hier unsere Unfähigkeit. Bei diesem Gedanken fühlen wir uns schnell überfordert:

  • "Wie kann ich denn je dem allen gerecht werden?"
  • "Da fang ich doch besser erst gar nicht an".

Der Individualismus tut ein Übriges, dass wir uns am liebsten von allem zurückziehen und uns schließlich nicht einmal mehr die Not in unserer nächsten Umgebung berührt.

Machen wir nicht den Fehler wie jener Verwalter, der das wenige, das ihm anvertraut war, ins Taschentuch packte und versteckte (Mt 25, 24ff.).

Begreifen wir doch auch das Vorrecht: Wir dürfen mitarbeiten an Gottes Schöpfungsauftrag (1. Mose 1, 27ff). Als Christen sind wir zugleich "Gottes Mitarbeiter" (1. Kor 3,9). Wo wir verantwortungsbewusst handeln, bauen wir mit am Reich Gottes. Dafür lohnt sich alle Mühe: "Wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn."

Gott selbst verspricht, voranzugehen und beizustehen. Wir sind eben nicht alleingelassen. So sagt der Herr zu seinem Mitarbeiter:

"Du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich... Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit" (Jesaja 41, 9.10). Auch Paulus ermutigt: "Wer Verantwortung in der Gemeinde übernimmt, tut damit eine schöne und große Aufgabe" (1. Timotheus 3,1). Und Petrus mahnt die Verantwortlichen in der Gemeinde: "Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist... so werdet ihr die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen" (1. Petr 5, 1-4).

Kriterien für Verantwortungsträger

Mit Recht stellt man an Verantwortungsträger erhöhte Ansprüche. Von ihnen wird Zuverlässigkeit und Unbestechlichkeit erwartet. Die Praxis zeigt, wie wenig diese Qualitäten vorhanden sind. Wie leicht lassen sich Politiker und Wirtschaftsbosse von Geld, Sex oder Macht gefangen nehmen.

Der Apostel Paulus nennt einige wichtige Kriterien für Verantwortungsträger (1. Tim 3,22ff)

  • Gesellschaftliche und moralische Qualifikation: Wer in seiner Ehe, in seinen Geldgeschäften, im beruflichen Umfeld kein Zeugnis für Christus ist, wird wohl kaum als Verantwortlicher in der Gemeinde hilfreich sein.
  • Geistige Qualifikation: Wir brauchen Christen, die besonnen und sachlich Problemen begegnen können, die nicht zu Extremen neigen; ja, die ein gutes Urteilsvermögen haben.
  • Häusliche Qualifikation: "Zu Hause muss es anfangen". Wie wichtig ist es in unserer Zeit, daß Männer und Frauen zuerst einmal in ihrer Familie für Ordnung sorgen, sich um die Kindererziehung mühen und gerade so zeigen, daß sie Verantwortungsbewusstsein haben.

Ein tägliches Übungsfeld

Lassen wir uns doch ermutigen, an unserem Teil mitzuhelfen und nach unseren Möglichkeiten in unserem Umfeld Verantwortung wahrzunehmen:

  • in der Familie: Dass Sie sich als Vater um die Erziehung Ihrer Kinder kümmern und sich z. B. auch im Elternbeirat engagieren
  • im Beruf: Dass Sie sich als Arbeiter oder Angestellter um ein gutes Betriebsklima bemühen
  • in der Nachbarschaft: Dass Sie zu den Mitbewohnern in ihrem Haus und zu den Nachbarn einen herzlichen persönlichen Kontakt aufbauen
  • in der Gemeinde: Dass Sie sich zur Mitarbeit zur Verfügung stellen
  • in der Politik: Dass wir uns an den Wahlen im kommenden Jahr beteiligen; wo nötig, Briefe schreiben und Politiker an ihre Verantwortung erinnern.

Dazu schreibt der Staatssekretär Horst Waffenschmidt: "Betet mehr für die, die besondere Verantwortung in unserem Staat tragen. Betet für die, deren Entscheidungen oft von so weitreichender Bedeutung für unser Land, für unsere Gesellschaft sind. Wer für die politische Arbeit in Bonn betet, bewegt damit die Gegenwart und Zukunft unserer Demokratie."

Qualitäten

Für solch einen verantwortungsbewussten Lebensstil werden vor allem innere Qualitäten gebraucht. Man gewinnt sie nicht im Handumdrehen, sondern durch konsequentes Üben, durch Buße und Glauben. Dazu gehören z. B.:

Disziplin Um anderen voranzugehen, braucht es ein hohes Maß an Disziplin:

  • Während andere noch schlafen, sind Mitarbeiter Gottes schon auf den Knien, um sich für den Tag mit seinen Aufgaben vor Gott zurüsten zu lassen.
  • Sie üben sich darin, die kostbare Zeit des Tages diszipliniert zu nutzen
  • und doch auch Zeit zu finden, um eine Ruhepause einzulegen oder um sich einem einzelnen Menschen persönlich zu widmen.

Mut

  • Luther besaß diese Eigenschaft, wenn er vor seiner Reise nach Worms zum Reichstag sagen konnte: "Ich werde nach Worms gehen, auch wenn soviel Teufel da wären wie Schindeln auf den Dächern".
  • In einer Zeit des Pluralismus ist es heute um so wichtiger, dass es Männer und Frauen gibt, die den Mut haben, Farbe zu bekennen; den Mut haben, die Autorität Gottes, seines Wortes und seiner Gebote höher zu achten als die landläufige Meinung der Medien.

Geduld

  • Chrysostomus nannte die Geduld die Königin der Tugenden. Zu leicht wird diese Eigenschaft mit Passivität gleichgesetzt. Dabei geht es hier um die Fähigkeit, schwierige Menschen, missliche Umstände anzunehmen, zu tragen, zu lieben und zu vergeben. Als Verantwortliche kommen wir oft genug an Grenzen der Geduld: Wenn uns Widerstand begegnet, wenn alles so mühsam, man oft alleinsteht, wenn alles viel länger dauert als gedacht. Hilfreich ist hier die Bedeutung der griechischen Worte:
    • makrothymia = den langen Atem behalten; oder:
    • hypomone = drunterbleiben.
  • Wie wichtig ist diese Eigenschaft! Wie nötig sind Mitarbeiter, die die Tragfähigkeit besitzen, um auch Durststrecken durchzustehen!

Die persönliche Verantwortung

Die herausgehobene Stellung bringt es mit sich, dass Verantwortungsträger besonders gefährdet sind. Die Bibel bringt eine Fülle von Beispielen, wie von Gott berufene Leiter und Mitarbeiter sich verführen ließen, in Sünde fielen und oft genug ihre eigentliche Bestimmung verfehlten. Denken wir an

  • Simson, der wegen mancher Frauengeschichten unbrauchbar wurde (Richter 16)
  • König Saul, der nicht auf Gott hören konnte, voreilig handelte und darum von Gott verworfen wurde (1. Samuel 15, 17ff)
  • Demas, der seine Mitarbeit aufkündigte und "diese Welt lieb gewann" (2. Timotheus 4,10)

Deshalb mahnt Paulus die Ältesten von Ephesus wie auch seinen Mitarbeiter Timotheus: "Habt acht auf euch selbst..." (Apostelgeschichte 20,28;1. Timotheus 4,16)

Als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Reich Gottes müssen wir uns unserer Gefahren und Schwächen bewusst sein. Mitarbeiter brauchen persönliche Bruderschaft, ja, Beichtgemeinschaft, um auf Länge für Gott nutzbar zu sein.

Verantwortung und Teamarbeit

Verantwortliche neigen dazu, sich unentbehrlich zu machen. Mit der Zeit kommt man dann zu der Überzeugung: "Ohne mich läuft nichts". Gemeinde- und Gruppenleiter stehen in der Gefahr, die Arbeit zu sehr an sich zu binden. Das biblische Prinzip (wie wir es übrigens heute auch im Management der freien Wirtschaft finden), zeigt, daß Teamwork dringend angeraten ist. Wenn in der neutestamentlichen Gemeinde von Leitung gesprochen wird, so geschieht dies meist in der Mehrzahl "die Ältesten", "die Bischöfe" (Philipper 1,1; 1. Petrus 5,1-4; Apostelgeschichte 20, 28 u.v.a.m.). Jeder Mann, jede Frau, die in Verantwortung stehen, sollten die Augen für ein bis zwei Mitarbeiter offen halten, um sie in ein Leitungsteam zu integrieren. Freilich braucht dies dann ein hohes Maß an Absprache, Selbstverleugnung und Kooperationsfähigkeit, um andere neben sich zum Zuge kommen zu lassen. Sicher, solch ein Leitungsteam wird mehr Zeit zum Beraten und Abstimmen verbrauchen, als wenn einer allein der Macher ist. Aber die Lasten verteilen sich auf mehrere Schultern und die Produktivität, der Ideenreichtum multipliziert sich. Schon dem überarbeiteten Mose rät sein Schwiegervater, er solle ein Team von Mitarbeitern bilden: "Lass sie dir einen Teil der Verantwortung abnehmen, damit du es leichter hast..." (2. Mose 18, 13ff). Vor allem muss es das Anliegen eines Leiters sein, jüngere Kräfte in die Verantwortung hineinwachsen zu lassen, schon damit die Kontinuierlichkeit gewährleistet ist.

Kosten und Lohn

Nicht umsonst bekommen Spitzenmanager ein höheres Gehalt. Sie haben eben auch einen hohen Preis dafür zu zahlen: Meist müssen sie hart dafür arbeiten, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Auch im Reich Gottes sind leitende Männer und Frauen weit über ihre Kraft gefordert:

Ein aufopferndes Leben. Jesus selbst ist uns das beste Beispiel: er hatte oft nicht einmal Zeit zu essen, geschweige denn die nötige Ruhe. Um die richtigen Mitarbeiter auszuwählen, betete er gelegentlich eine ganze Nacht hindurch und stand früh vor Tage auf, um mit Gott allein zu sein (Lukas 6,12f; Markus 1,35). Er hat es uns vorgelebt und wurde so zum Diener aller und opferte sein Leben zur Rettung der Menschen. Darum sagt er, und das gilt besonders allen Verantwortlichen: "Wer mir dienen will, der folge mir nach" (Johannes 12, 26).

Manch ein Mitarbeiter in der Gemeinde sagte schon: "Ich könnte es bequemer haben, brauchte mich nicht so herumzuärgern mit Problemen, wenn ich dieses Amt nicht hätte". Aber das ist eben das Salz in der Suppe: Unsere Kraft, Zeit, Geld - ja, unser (Eigen-) Leben hinzugeben, damit das Reich Gottes gebaut wird. Unter diesem Preis geht es nicht! Immer wieder hat Paulus auf diesen Tatbestand hingewiesen: "In allem beweisen wir uns als Gottes Mitarbeiter: in Bedrängnissen, in Not... bis zur Erschöpfung arbeiten, uns kaum Schlaf gönnen und auf Nahrung verzichten. So soll sichtbar werden, dass wir Gott gehören" (2. Korinther 6,4ff) Oswald Sanders sagt: "Derjenige, der den Geist des Wohlfahrtsstaates in sich aufgesogen hat, hat nicht das Format für einen Leiter".

Kritik

Die bekannte Evangelistin Berta Isselmann prägte den Satz: "Wer Aufgaben anpackt, macht auch Fehler. Wer viel tut, macht vieles verkehrt. Aber: Wer nichts tut, macht alles verkehrt".

Je mehr Verantwortung einer hat, desto mehr Kritik wird er erfahren. Wir sollten uns davon nicht entmutigen lassen. Verantwortliche sollten jederzeit für Korrektur offen sein, bereit, konstruktive Anfragen aufzunehmen - aber sich durch Kritik nicht verunsichern lassen. Allzu oft sind die Motive der Kritiker nicht lauter: Dahinter stecken meist: Neid, Eifersucht, Besserwisserei, Rechthaberei. Wohl dem, der gelernt hat, solche unlautere Kritik Gott zu überlassen und trotzdem fröhlich weiterzumachen!

Von Gott selbst belohnt

Auf dem Hintergrund des bisher Gesagten versteht man, dass manch ein Mitarbeiter geneigt ist, alles hinzuwerfen. Aber wie ermutigend ist jenes Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäus 25,14ff): Der Herr lobt seinen Verwalter: "Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen Dingen bist du treu gewesen. Darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen..."

Wir sollten uns vielmehr anspornen lassen, gerne unser Leben, unsere Kraft und Zeit für Gottes Sache einzusetzen, bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen. Denn wer sein Leben für Gott einsetzt, erfährt schon jetzt und dann einst die Anerkennung bei Gott: "Wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren" (Johannes 12, 26).

Wertvolle Literatur zum Thema

  • O. Sanders, Verantwortung, Leitung, Dienst. Brockhaus Verlag
  • H. C. Ruse, Arbeiten und arbeiten lassen. Oncken Verlag
  • M. Rush, Management. Schulte + Gerth Verlag
  • H. Müller, Beziehungen bauen Brücken. Hänssler Verlag
  • Campus für Christus, Handbuch für Leitungsaufgaben in Gemeinde und Beruf. Hänssler Verlag
  • F. Minirth, Stressbewältigung
  • Lebenszentrum Adelshofen, Teamarbeit, Impulsheft Nr. 4
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