Wachsen im Glauben

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Inhaltsverzeichnis

Alles Leben ist auf Wachstum angelegt

Alles Leben ist auf Entfaltung der ihm jeweils innewohnenden Bestimmung angelegt. Jedes Leben hat ein Ziel, das Wachsen auf eine Vollendung hin, zur reifen Frucht und Gestalt. Sich Entfalten und Weiterentwickeln ist normal für Pflanzen, Tiere und Menschen. Aus Erfahrung und Beobachtung wissen wir um Gesetzmäßigkeiten, die beim Wachsen und Reifen wirksam sind. Wir wissen um Gefährdungen des Lebens, um wachstumsfördernde und -hindernde Rahmenbedingungen und suchen dem dann unterstützend oder abwehrend Rechnung zu tragen. Was wir beim natürlichen Leben feststellen können, gilt auch für das geistliche Leben.

Wachsen als Christ ist normal

Das neue Leben ist Geschenk Gottes, Geburt von oben, Leben aus der Ewigkeit (Joh. 3,3; 2. Kor. 5,17). Durch Umkehr und Glaube wird ein Mensch neu geboren und soll dann wachsen und weiterkommen. Ein Christ soll nicht im Babystadium stehen bleiben. Er soll wachsen in der Gnade (2. Petr. 3,18), in der Erkenntnis (Kol. 1,11) und im Glauben (2. Thess. 1,3). Bekehrung ist nicht Endpunkt, sondern der Beginn einer Reise. Wir sollen aus dem Kinderstadium allmählich herauswachsen ins Jünglingsalter und dann vom jungen Mann zum Erwachsenen werden (1. Joh. 2,13-14; Eph. 4,13). Wir sollen zu geistlich reifen Frauen und Männern werden. Vor dem Steckenbleiben und Verhaftetbleiben in alten Verhaltensweisen wird im Neuen Testament immer wieder gewarnt. Wir sollen immer tiefer das Geheimnis von Jesus Christus und Gottes Liebe verstehen und in die geschenkte Freiheit und Christusähnlichkeit hineinwachsen. Unser Glaube soll kräftiger, unser Verständnis der göttlichen Dinge umfassender und unsere Liebe reiner werden. Wir sollen stark werden im Herrn. All diese Aufforderungen im Neuen Testament beinhalten zugleich Verheißung. Wachstum ist etwas, das Gott schenken will. Unser Leben soll Frucht bringen und dadurch wird Gott geehrt und verherrlicht (Joh. 15, 8.16; Kol. 1,10). Wir dürfen zum Segen für andere werden, ihnen zum Leben helfen und selbst ein lebendiges Anschauungsbeispiel der Barmherzigkeit Gottes sein.

Einige Missverständnisse

Verschiedene Missverständnisse über geistliches Wachstum können Christen bedrücken oder verwirren bzw. man kann sich und anderen damit das Leben schwer machen:

Geistliches Wachstum geschieht von allein, man kann und braucht nichts dazutun!

Wahr ist, dass man sich nicht selbst Leben geben kann. Gott allein schenkt Leben. Aus dem alten Wesen kann man nichts Göttliches hervorbringen (Röm. 7,18). Wachstum ist Wirkung des Geistes Gottes. Aber Gott schenkt Mittel zum Wachstum, die man nicht vernachlässigen soll.

Wenn du nur willst, wächst du!

Geistliches Wachstum kann man nicht machen und auch nicht befehlen. Es geschieht nicht auf dem Weg moralischer Anstrengung. Was man aber tun kann, ist, dem geistlichen Organismus die nötigen Kräfte und Nährstoffe zukommen zu lassen. So wie der Seemann zwar nicht den Wind machen kann, aber dennoch gefragt ist, die Segel zu setzen, um voranzukommen, sind wir gefragt uns der Gnade und dem Wirken Gottes zu öffnen. Beides ist wahr: Wir werden aufgefordert unsere Seligkeit zu wirken und zugleich ist es Gott der alles bewirkt (Phil. 2, 12-13). Es braucht einen Entschluss von unserer Seite und doch ist Gott allein, der Ausgangspunkt.

Bei mir stimmt etwas nicht, weil ich nichts Besonderes erlebe, sehe oder spüre

Wir sollten unser Wachstum nicht an besonderen Gefühlen oder Erfülltheitszuständen festmachen. Man kann wachsen und reifen, ohne es spektakulär wahr zu nehmen. Menschen um uns herum merken es oft mehr als wir selbst, wie sich Dinge verändern.

Normalität, Wiederholung und Routine machen auch im geistlichen Leben den größeren Teil der Zeit aus. Gefühle trügen oft. Entscheidend ist das Tun, die Einübung, die Treue im Kleinen. Je mehr Dinge eingeübt sind, umso unspektakulärer und normaler werden sie, so dass man sie selbst oft gar nicht mehr bewusst wahrnimmt.

Mein geistliches Leben gleicht einem ständigen Auf und Ab. Ich habe den Eindruck, ich komme nicht vorwärts und drehe mich im Kreis

Im geistlichen Leben kennt man dieses Erfahrung. Ja es gibt dieses Immer wieder Fallen und Neu anfangen Müssen und dabei hat man den Eindruck stets an den gleichen Ausgangspunkt zurückgeworfen zu sein. Trotzdem entspricht dieser Eindruck beim genauen Hinsehen in den meisten Fällen nicht den wahren Gegebenheiten. Wachstum geschieht nämlich nicht einlinig in einer Richtung wie in einer Einbahnstraße, sondern im Auf und Ab spiralförmig nach oben. Das „Drehen im Kreis“ ist doch ein Weiterkommen, das Zurückkommen auf den scheinbar gleichen Punkt kann sich auf einer neuen Ebene ereignen. – Mancher hat vielleicht zu gewissen Zeiten starke Wachstumsschübe erlebt und hat dann den Eindruck von langem Stillstand, der in Wahrheit eine Phase der Konsolidierung sein könnte.

Geistliches Wachstum geschieht durch eine mystische Erfahrung, die (leider) nur einige wenige Auserwählte erleben

Es gibt zwar Beispiele dafür, wie besondere Erfahrungen im Leben von Christen gewissermaßen einen Knoten lösten, aber das ist nicht notwendigerweise ein Kennzeichen geistlicher Reife. Das Warten und Aussein auf besondere Erlebnisse versperrt u.U. gerade den von Gott in seinem Wort gewiesenen Weg der Reifung: den Weg des „schlichten“ Tuns und Einübens seines Willens. Reifen, Wachsen, Entwicklung ist ein Prozess, an dem wir selbst ganz praktisch beteiligt sind.

In diesem Bereich spielt auch hinein, dass es unterschiedliche Menschen gibt: Manche sind mehr „Krisentypen“, andere mehr „Wachstumstypen“ und machen auch dementsprechende Erfahrungen.

Grundbausteine für geistliches Wachstum

Grundlegend für geistliches Wachstum sind die von den Altvorderen so genannten „Mittel des Heils“, die vom Christen in Treue zu gebrauchen sind: Wort Gottes, Gemeinschaft der Heiligen, das Brotbrechen und die gemeinsamen Gebete (Apg. 2,42). Wachsen durch gesunde Ernährung, durch Bleiben am Wort

Wie neugeborene Kinder nach Milch schreien, so sollen Christen nach dem unverfälschten Wort Gottes verlangen (1. Petr. 2,2). – „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ (Lk. 4,4). – Ohne tägliche Beschäftigung mit der Heiligen Schrift gibt es kein Reifen und Gefestigt werden im Glauben. Dieses Wort erschließt Wahrheit. Es hilft zur Erkenntnis des Heils. Es führt zur Gewissheit. Wer Gottes Wort in sich aufnimmt, wird von geistlicher Lebenskraft erfüllt. Und das bedeutet geistliches Wachstum und wachsende Freude an Jesus. Reife Gläubige sind gegründet im geoffenbarten Gotteswort und werden nicht von jeder Lehrmeinung hin- und hergeworfen (Eph. 4,13). Sie haben durch steten Gebrauch einen immer besseren Überblick gewonnen, verstehen Zusammenhänge, können unterscheiden, differenzieren und angemessen urteilen. – Typisches Kennzeichen von „Unmündigen“ oder „kleinen Kindern“ dagegen ist, dass sie noch kein Unterscheidungsvermögen haben und auf alles Mögliche hereinfallen. Sie sind beeinflussbar und lassen sich leicht in diese oder jene Richtung verführen. Nicht so der in der Glaubenserkenntnis gefestigte reife Christ.

Wachsen durch Hören und Gehorchen

Geistliches Wachsen geschieht aber nicht nur durch größere Erkenntnis der Wahrheit, sondern durch das gehorsame Tun des Erkannten und Umsetzen in den praktischen Lebensvollzug. Wachsen in der Erkenntnis fordert das Wachsen in Treue und Heiligung. Das ist Anerkennung der Herrschaft Jesu im Alltag. Das Wachsen darin, führt wiederum zu vertiefter Erkenntnis.

Heute fragt man oft, wie man im Glauben weiterkommen kann und kommt dabei auf die ausgefallensten Dinge. In der Schrift heißt es ganz schlicht: Lebe den Gehorsam des Glaubens, tue Schritte, diene, leide im Glauben, und dein Glaube wird erstarken! Jesus sagt: "So jemand will des Willen tun, der mich gesandt hat, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selber rede" (Joh. 7,17). Schon Erkanntes verblasst und entschwindet, wenn der Gehorsam verweigert wird. Wachstum im Glauben geschieht durch immer neues Ablegen alter Verhaltenweisen und das Anziehen der neuen, die Gott zur Verfügung stellt (Eph. 4,24; Kol. 3,8-10). Wachsen in / durch Gemeinschaft

Geistliches Wachstum ist nicht eine Privatangelegenheit sondern geschieht in der Gemeinschaft und durch diese. Geistliches Wachstum hat immer einen gemeinschaftlichen Aspekt. Wir sollen miteinander wachsen und immer mehr Christus ähnlich werden. Er ist das Haupt des Einzelnen und der ganzen Gemeinde. Alle sollen im Glauben wachsen und in der Liebe gefestigt werden. Niemand wird solitär aufgefordert, seine eigene Vollkommenheit zu suchen, sondern die Auferbauung, das Weiterkommen aller, des ganzen Leibes. Wir brauchen uns gegenseitig und sind alle aufeinander verwiesen.

Ganz praktisch wächst man durch Gespräch, durch Hören aufeinander, durch Sich sagen Lassen, durch gemeinsame Glaubens- und Lebensvollzüge, durch gemeinsamen Dienst und Fürsorge füreinander. Auch das gemeinsame Gebet und der seelsorgerliche Rat der Brüder und Schwestern helfen im Glauben weiter. Allein geht man ein! Ohne ein Gegenüber, ohne Zuwendung und Liebe durch andere verkümmert man. Ebenso kommt man im Verschenken von Zeit und Liebe an andere weiter. Wachsen durch Vergebung und Ausrichtung auf das Wesentliche

Das Abendmahl erinnert und vergewissert uns das Wesentliche: die Erlösung und Vergebung, die uns Jesus Christus schenkt. Er hat sich uns selbst geschenkt. Aus dieser Wirklichkeit dürfen wir immer neu Stärkung und Kraft im Glauben empfangen. – Auch das gnädige Angebot der Beichte gehört in diesen Zusammenhang. Wir dürfen Schuld bekennen und erfahren den Zuspruch der Vergebung. Wir sollen die Sünde ablegen, die ständig umstrickt und hemmt (Hebr. 12,1). Nicht in Anspruch genommene Vergebung hemmt das Wachstum. – Nicht vergebene Sünde schnürt den Lebenszufluss ab, wie Draht bei einem Baum. – Über offensichtliche Sünde hinaus sind es weiter die Sorgen des Alltags und der Betrug des Reichtums, die das Leben ersticken können (Lk. 8,14). Wachsen durch Hinwendung zu Gott im Gebet

In der gemeinsamen und privaten Ausrichtung auf Gott im Gebet ist uns ein weiteres Mittel der Stärkung und Belebung gegeben. Vom Vorrecht des freien Zugangs zum „Thron der Gnade“ (Hebr. 4,16) sollen wir ständig Gebrauch machen. Wir dürfen unsere Bitten, unsere Sorgen und Nöte jederzeit vor Gott bringen.

Auch das dankbare Erinnern der Wohltaten Gottes stärkt uns am inneren Menschen und bringt uns im Glauben weiter (Ps. 103,1-5; Kol. 2,7). Geistlich wachsen und Frucht bringen, durch „Bleiben“ in Jesus

Wir sollen in lebendiger Verbindung mit Jesus bleiben. Daraus wächst ganz von selbst Frucht (Joh. 15,1-8). Zum Bleiben gehört auch, dass man sich gefallen lässt, wenn Gott überflüssige Triebe beschneidet und uns korrigiert. Sein Ziel ist Frucht. Geistliches Wachstum geschieht auch unter Druck. Gott lässt Schwierigkeiten zu, weil er es gut mit uns meint und uns weiterbringen will.

Weiterkommen im Glauben heißt, immer abhängiger werden, wie ein Christ einmal sagte: „Ich habe Jesus heute viel nötiger als vor 20 Jahren.“ Wir sollen in allen Bereichen Jesus immer ähnlicher werden. Dies Wachstum geht in die Tiefe. Wir werden immer mehr verwurzelt und gegründet in der Liebe von Jesus Christus (Eph. 3,16-19; Kol. 2,7).

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