RAUS AUS DER ANGST!

Angst. Jeder kennt sie – keiner will sie. Die Frage ist ja nicht, ob wir in Situationen kommen, die uns Angst machen. Viel interessanter ist doch, was wir daraus machen. Ein heißer Tipp von Siggi Waldmann: es hat entscheidende Wirkung, worauf wir unseren Blick richten.

Rückblick in unseren Urlaub im Zillertal, wo wir einen Ausflug zum Klettersteig am herrlichen Talbachwasserfall gemacht haben. Mit meinen Töchtern Annika (damals 10) und Elisa (9) ging es in die Höhe. Eine besondere Herausforderung war die Flussüberquerung, balancierend auf einem 20 Meter langen Stahlseil. Kein Pappenstiel, auch wenn man sich mit den Händen an Seilen festhalten konnte und gesichert war.


Da kam Angst auf – sichtbar in den Augen von Annika, die mehrfach zu mir zurückschaute und den ersten Versuch abbrach. Dann fasste sich Elisa ein Herz. Schritt für Schritt balancierte sie über die Schlucht. Beeindruckend. Später erzählte sie, dass auch sie am Anfang Angst hatte. Aber sie hatte, für uns durch das Wasserrauschen nicht hörbar, ihre Angst überlistet. „Es kann nix passieren. Gott passt auf mich auf!“ So hatte sie immer wieder vor sich hergesagt. Sie können sich die Freude vorstellen, die ich hatte, als sie mir das erzählte. Durch Elisa angespornt, ließ Annika sich beim zweiten Versuch nicht von ihrer Angst aufhalten und hat die Schlucht ebenfalls überwunden.


Beeindruckend! Angst. Jeder kennt sie – keiner will sie. Doch was können wir aus Situationen, die uns erschrecken, machen? Annika und Elisa haben, davon bin ich überzeugt, durch die Überwindung ihrer Angst etwas gelernt. Und wie gehen wir mit Angst um?

BLICK AUF DIE REALITÄT

Welche Ängste kennen Sie? Es gibt Ängste, die sich auf den Verlust von Beziehungen richten.  Verlustängste, meist aus der Kindheit, können eine lebenslange Last darstellen. Die Aufarbeitung braucht oft professionelle Hilfe. Andererseits gibt es Ängste vor schwer greifbaren Unsicherheiten. Reicht das Geld langfristig? Werden die eigenen Kinder eine gute Zukunft haben? Diese oder andere Fragen können in Zukunftsangst münden. Dazu kommt Angst in Extremsituationen, die überfallartig in unser Leben kommen kann. Und natürlich, ganz aktuell, elementare Angst um die Gesundheit oder sogar das eigene Leben. Dabei ist Angst zunächst einmal nichts, was automatisch als Zeichen eigener Schwäche oder mangelnden Gottvertrauens gebrandmarkt werden kann. In Lukas 22 wird beschrieben, dass Jesus im Garten  Gethsemane Angst hatte. Auch er kannte Angst. Doch wie gelingt es, dass wir nicht von Angst beherrscht werden, sondern wieder auf festen Füßen stehen können?

BLICKWECHSEL

Ich lade Sie ein, aus zwei Perspektiven auf den Umgang mit Angst zu schauen: zum einen der Blick in die Bibel und damit auf Gott. Und zum zweiten, welche Chance außerordentliche Erlebnisse bieten, wie wir sie bei uns im LZA im Erlebnisgarten nutzen. Deutlich wird bei beidem: verändernder Glaube braucht mehr als theoretische Überlegungen und Diskussionen. Die Menschen der Bibel haben Gott handfest in den Stürmen des Lebens erlebt. Dort haben sie Entscheidendes gelernt.

BLICK IN DIE BIBEL

Blicken wir auf den Durchzug Israels durchs Schilfmeer (2. Mose 14). Faszinierend, wie Gott Israel führt und ihnen neben der Freiheit auch eine hilfreiche Lektion schenkt. Israel ist gerade der Sklaverei entkommen. Doch dann die rätselhafte Anweisung an Mose: Israel soll einen Umweg gehen und in der Nähe des Schilfmeeres sein Lager aufschlagen (V. 2). Gott bringt Israel tatsächlich in die Sackgasse vor dem Schilfmeer. Nicht, weil er es nicht besser weiß, sondern um Israel und Ägypten zu zeigen, wer der Chef im Ring ist, der in allen Situationen die Kontrolle hat (V. 4). Bedrohliche Situationen als Chance, dass Gottes Macht sichtbar und das Vertrauen in ihn gestärkt wird. Wie kann das heute, in einer Situation, die Sie in Angst versetzt, geschehen und so Ihr Glaube nachhaltig Wachstum erleben?


Zunächst einmal so viel: es ist nicht richtig zu sagen, dass Gott jede schwere Situation zulässt oder sogar selbst inszeniert, um uns etwas beizubringen. Wir sind nicht in der Lage, Gottes Wege umfassend zu beurteilen. Seine Gedanken sind höher als unsere (Jesaja 55,9). Außerdem ist festzuhalten, dass Gottes Wille nicht das Ängstigende, Böse anstrebt, sondern das Leben (Offenbarung 4,11) und die Rettung (1. Timotheus 2,4). Und doch zeigt der Weg Israels zum Schilfmeer, dass Gott in Situationen führen kann, die Angst erzeugen. Sie bieten aber auch die Chance, mit ihm Erfahrungen zu machen und Entscheidendes zu lernen.

BLICK IN DIE HÖHE

Herausfordernde Situationen, um Entscheidendes zu lernen – dies ist ein Aspekt, den wir auch im Erlebnisgarten nutzen: da steht ein Team vor der 3,80m hohen Teamwand. Die Aufgabe der Überquerung nur mit Hilfe der Teammitglieder löst bei manchen Menschen Angst aus (übrigens: die Station ist gut gesichert …). Und genau da wird es interessant, denn: als Menschen lernen wir am besten, wenn wir außerhalb unserer Komfortzone sind. So kommt oft nach dem Bewältigen der Wand die Erkenntnis: es gibt Möglichkeiten, die Angst zu besiegen. Im Gespräch über Parallelen zum Leben kann herausgearbeitet werden, wie in Herausforderungen (Gott-)Vertrauen anstelle von Angst um sich greifen kann. Da außerhalb des normalen Alltags eigene Verhaltensweisen zum Teil besser reflektiert werden können, können solche Erlebnisse eine echte Hilfe zum Umgang mit Angst werden. Darauf lässt sich in den Herausforderungen des Lebens gut zurückgreifen!

BLICK AUF DAS FUNDAMENT

Zurück ans Schilfmeer: als das Volk Israel seine ausweglose Situation begreift, geht der erste Blick nicht zu Gott. Israel schaut auf die Ägypter – und schreit zu Gott. Doch Mose lenkt den Blick des Volkes auf Gott: „Fürchtet euch nicht, stehet fest und sehet zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird“ (V. 13).


Zunächst verstellt das Problem den Blick der Israeliten. Verständliche Angst! Doch Mose weist das Volk darauf hin, dass Gott größer und seine Macht ungebrochen ist. Gott lädt auch uns ein, unseren Blick auf ihn zu richten. Hanspeter Royer, bekannter Prediger und Vertreter der Christuszentrierten Erlebnispädagogik, schrieb einmal: „Wir dürfen Angst haben, aber die Angst soll uns nicht haben!“ Mit dem Blick auf Gott werden die Verhältnisse zurechtgerückt. Ja, es gibt Situationen die verständlicherweise Angst machen. Doch es gibt einen, der größer ist. Da können Bibelverse, die den Blick auf Gott lenken, wie ein Anker im Sturm sein. Ein solcher Anker ist V. 14: „Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“ Ein anderer ist die Zusage: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33)

AUFBLICK

Gott lädt uns ein, auf ihn zu schauen. Der Bericht vom Durchzug durchs Schilfmeer schließt mit dem Hinweis: „So sah Israel die mächtige Hand, mit der der Herr an den Ägyptern gehandelt hatte.“ (V. 31).


Israel erlebt die Macht Gottes und lernt Vertrauen in ihn. Ein tiefgehendes Erlebnis mit der Chance, dass die nächste Angst bewältigt werden kann und der Blick frei für Gott bleibt. Das gelang dem Volk Israel nicht immer. Die Herausforderung, Vertrauen zu Gott zu fassen bleibt auch nach intensiven Erlebnissen bestehen. Für Israel – für uns.


Nochmal zurück in den Sommerurlaub im Zillertal. Am Ende des Klettersteiges sagte Elisa zu mir: „Ich habe Gott ja schon vorher vertraut, aber ich glaube jetzt mache ich es so richtig!“

So werden herausfordernde Situationen, die zunächst in Angst führen, zur Chance, neu den Blick auf Gott zu richten. Wir sind als ganzes Land mitten in einer solch herausfordernden Situation. Ich wünsche Ihnen und mir, dass uns die momentane Unsicherheit dazu führt, auf Gott zu schauen.

Zur Vertiefung dieses Beitrages und zum Eigenstudium empfehlen wir Ihnen, selbst noch einmal nachzulesen:

2. Mose 14

Jesaja 55,9

Lukas 22

Johannes 16,33

1. Timotheus 2,4

Offenbarung 4,11