02_2024

Das Richtige hören

Der Klavierunterricht neigte sich dem Ende zu: „So, jetzt machen wir noch ein paar Hörübungen.“ In diesem Moment wusste ich immer nicht so genau, ob ich mich freuen sollte oder nicht. Mein Klavierlehrer nahm meinen Platz ein und ich musste mich mit dem Rücken zum Klavier stellen. Es folgten Intervalle und Akkorde mit der Frage meines Lehrers: „Was habe ich gespielt?“. Und irgendwann auch: „Spiel nach, was du gerade gehört hast!“ Ich merkte tatsächlich: Gutes Hören kann und muss man auch in der Musik trainieren. Diese Momente waren für mich spannend, herausfordernd, manchmal allerdings auch purer Stress. Es waren Augenblicke höchster Konzentration – und leider nicht immer von Erfolg gekrönt. 

 

Das Gute an diesen Übungsmomenten war: Ich konnte mich ganz auf die Musik konzentrieren. In meinem Alltag sieht das oft ganz anders aus. Da spielt nicht nur eine Person dezidierte Akkorde auf einem einzigen Instrument. Es ist vielmehr ein gewaltiges Orchester, das einem in den Ohren dröhnt. Häufig sogar eine Kakophonie aus Texten, Medien, gesprochenen Worten – nicht schön und nicht stimmig. Daraus das Richtige zu hören, ist eine gewaltige Herausforderung. Wieviel Ablenkendes, Entmutigendes, Aufputschendes und Irritierendes ist dabei! Gott ruft im Propheten Jesaja uns Menschen zu, wo wir Worte hören können, die uns erquicken, laben, stärken, Mut machen, Kraft geben. Wir finden diese Worte bei ihm. „Hört, und eure Seele wird leben!“ Was für eine Zusage und Verheißung! Warum gehe ich trotzdem so oft daran vorbei? Ich kann es häufig selbst nicht begründen. Doch ich will lernen zu hören und hinzuhören – zuerst bei Gott und dann auch bei meinen Mitmenschen. 

 

Wir wünsche Ihnen, dass die Artikel in diesem Heft auch Ihnen Impulse geben immer wieder neu zu hören, was Gott uns allen und Ihnen ganz persönlich sagen möchte. Denn der, der zum Hören aufruft, der wird auch reden. 

 

 

Zu den Beiträgen dieses JOURNALS:

 

Wie ich Gott höre, Dr. Jürgen Schulz

Erstmal zuhören, Monika Baumann, MTh (UNISA)

Meine Frau, die Kinder und ich, Siggi Waldmann

Hör ich nur, was ich will?, Silas Müller

Genau am rechten Platz, Alrik Schubert, Marie Reich, Christian Fleischmann

Wer viel geweint hat, kann auch viel lachen, Sr. Elisabeth Greiner